Pionier der Mikroelektronik

Vom Transistorradio zum Super-DSP

| Redakteur: Martina Hafner

TI am Standort Freising
TI am Standort Freising (Bild: Texas Instruments)

Auch Texas Instruments Deutschland feiert 2006 sein vierzigjähriges Bestehen. Seit Anfang an arbeitet die ELEKTRONIKPRAXIS eng mit den Experten von TI zusammen, um ihre Leser über die neuesten Entwicklungen in der Elektronik zu informieren. Die Redaktion gratuliert dem Halbleiterspezialisten mit einer spannenden Geschichte über echte Pioniere und ihre Visionen.

Das Leben der weltweit über 30000 Mitarbeiter von Texas Instruments würde heute wohl anders aussehen, hätten der Physiker Clarence Karcher und der Maschinenbau- und Physik-Ingenieur Eugene McDermott sich dem Schicksal der Großen Depression ergeben. Statt dessen gründeten sie 1930, zu einer Zeit, in der jeder vierte Amerikaner arbeitslos war, in einem Hotelzimmer in New Jersey eine Firma namens Geophysical Services, kurz GSI. Aus ihr sollte später Texas Instruments hervorgehen.

Der Weg von den Ölfeldern in die moderne Elektronikwelt

Das Unternehmen begründete sich auf einer Erfindung Karchers für die digitale Datenverarbeitung in der Ölindustrie.

Kurze Zeit darauf kamen drei weitere Pioniere hinzu: Erik Jonsson, Cecil Green und Henry Bates Peacock, die später gemeinsam mit McDermott GSI übernahmen und TIs erstes Management-Team bildeten. GSI überstand die turbulente Zeit der Großen Depression und leistete Pionierarbeit bei der digitalen Erfassung von Felddaten in der Ölbranche.

Allerdings brachte der Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg das Unternehmen in Bedrängnis, da das profitable Auslandsgeschäft verloren ging. Jonsson und Green, die ihren letzten Dollar in die Firma gesteckt hatten, realisierten schnell, dass sie sich neu erfinden mussten.

Während der Kriegszeit hielt sich GSI mit Militärtechnik wie U-Boot-Ortungsgeräten über Wasser. Die erneute Wende, die TI zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Elektronikbranche machen sollte, kam mit Ende des Krieges und einem Navy-Officer namens Patrick E. Haggerty. Auf das Jobangebot seines Geschäftspartners Erik Jonssons antwortete er: „Wenn wir Entwicklung und Produktion in der Elektronik angehen, und nicht nur für die Geophysik, dann bin ich verdammt interessiert“.

Er wurde 1946 General Manager von 85 Mitarbeitern und später Executive Vice President. Unter ihm entstand eine neue Firmenstrategie, die auf drei Säulen setzte: Militärelektronik, allgemeine Elektronik und geophysikalische Ausstattung. 1951 änderte GSI ihren Namen auf Texas Instruments.

1951 war Haggerty fest davon überzeugt, dass die Zukunft der Firma in Transistoren liegt. Das Unternehmen kaufte 1952 eine Lizenz von Western Electric, die das Patent auf Transistoren hielt. Am 10. Mai 1954 überraschte TI die Branche mit dem ersten kommerziellen verfügbaren Silizium-Transistor – zu einer Zeit, als die meisten dessen Verfügbarkeit noch in weiter Ferne sahen.

Zu dieser Zeit produzierte TI auch Germanium-Transistoren. Aber der Markt folgte der neuen Technologie nur zögerlich. Die Industrie war zufrieden mit den damals vorherrschenden Vakuumröhren und verhielt sich abwartend. Haggerty aber wollte hunderttausende der Transistoren verkaufen.

Das Regency-TR-I-Radio tritt 1954 seinen Siegeszug an

Der Glaube an den Erfolg und ein mutiger Plan verhalfen ihrer breiten Akzeptanz auf die Sprünge. Im Oktober 1954 wurde mit einer nationalen Marketingkampagne das Regency-TR-I-Radio vorgestellt, um das Potenzial von Transistoren zu demonstrieren. Das Zeitalter des Transistors wurde ausgerufen mit Slogans wie „Revolutionary new Tubeless Radio“. Die Rechnung ging auf. TI verkaufte hunderttausende der Geräte und besaß weltweit die einzige Fabrik, die die dafür notwendige Technologie als Massenprodukt herstellen konnte.

Fünf Jahre später, im Sommer 1958 entwickelte Jack Kilby, neuer Angesteller bei TI, und noch ohne Urlaubsanspruch, während der Ferienzeit seiner Kollegen den ersten integrierten Schaltkreis. Er löste damit eine Entwicklung aus, die die National Academy of Science später als die zweite industrielle Revolution bezeichnete. Seine Arbeit bei TI umfasst über 60 Patente. Im Dezember 2000 erhielt er den Nobelpreis für seine Rolle bei der Erfindung des ICs. Kilby starb im Juni 2005.

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