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The Software is the Instrument – National Instruments

| Redakteur: Franz Graser

Virtuelle Instrumente im Einsatz: Die grafische Entwicklungsumgebung LabVIEW erlaubt es, Funktionsblöcke auf einer Arbeitsoberfläche zu verbinden.
Virtuelle Instrumente im Einsatz: Die grafische Entwicklungsumgebung LabVIEW erlaubt es, Funktionsblöcke auf einer Arbeitsoberfläche zu verbinden. (Bilder: National Instruments)

Das in einer Garage gegründete Unternehmen National Instruments hat die Messtechnik revolutioniert und bahnt heute den Weg für das Internet der Dinge. Ein Rückblick auf 40 erfolgreiche Jahre.

Wir schreiben das Jahr 1976. In einer Garage, einer Küche und in einem Schuppen beginnt eine typische amerikanische Erfolgsgeschichte. Drei junge Ingenieure – James Truchard, Jeff Kodosky und Bill Nowlin –, die bei den Applied Research Laboratories (ARL) der University of Texas in Austin angestellt sind, entwickeln zusammen ein Produkt, das die Arbeit von Wissenschaftlern und Messtechnikern erleichtern soll. Denn aufwendige Messreihen bringen es mit sich, dass es immer komplexer wird, die Einstellungen der Instrumente stets korrekt vorzunehmen.

Die drei überlegen sich eine Lösung, die es erlaubt, die Einstellung der Geräte zu automatisieren und die Testergebnisse auf Computern zu speichern. Das Produkt ist eine Interface-Karte mit dem Namen GPIB (General Purpose Interface Bus). Sie soll als Schnittstelle zwischen wissenschaftlichen Instrumenten und dem damals sehr populären PDP-11-Computer von Digital Equipment dienen.

Und wie viele Revolutionen beginnt auch diese ganz unauffällig: James Truchards Garage avanciert zum Entwicklungslabor, ebenso der Schuppen Bill Nowlin. Jeff Kodoskys Küche wird zum Test-Center. Die drei leihen sich 10.000 Dollar Startkapital und kaufen sich eine PDP-11, um das gemeinsam entwickelte Design zu testen. Das Layout der Interface-Karte ist im April 1977 fertig. Kurz darauf erzielt James Truchard den ersten Verkauf: Während eines Familienurlaubs in San Antonio ruft er bei der Kelly Air Force Base an und überzeugt die Militärs von den Vorteilen des Geräts.

Zu diesem Zeitpunkt ist auch die Frage längst gelöst, wie das junge Unternehmen heißen sollte. Das Trio diskutierte Vorschläge wie Texas Digital, Longhorn Instruments oder eine Kombination ihrer Initialen. Schließlich stellte sich heraus, dass der Name National Instruments verfügbar war. Der Name hatte den richtigen Klang, ein erstes Logo mit den Initialen NI war schnell skizziert, und so blieb es dabei.

Die PC-Revolution macht sich bemerkbar

Bis zum Jahresende 1977 sind zwar erst drei GPIB-Boards verkauft, aber das Erfolgspotenzial ist riesig. Eine Mailing-Aktion an 15.000 Anwender des PDP-11-Computers zeigt Wirkung. Wie familiär es dabei zugeht, zeigt sich dadurch, dass Jeff Kodoskys Eltern beim Adressieren der Briefe helfen und die Kinder von James Truchard die Briefumschläge zukleben. 1977 wird ein erstes Büro gemietet, ein größeres folgt im Jahr darauf. Mit Kim Harrison-Hosen stößt der erste angestellte Mitarbeiter zum Team: Kim kümmert sich um die Bestellungen, die Rechnungsstellung und beantwortet Kundenanfragen.

Schon 1979 verzeichnet NI Bestellungen im Wert von 400.000 US-Dollar und erzielt einen Profit in Höhe von 60.000 Dollar. James Truchard gibt seine Tätigkeit beim ARL auf, um ganz für National Instruments zu arbeiten. Die beiden Mitbegründer Kodosky und Nowlin folgen im Frühjahr 1980. Im Folgejahr wird zum ersten Mal eine Million Dollar Umsatz eingefahren.

1983 macht sich schließlich die PC-Revolution bemerkbar: National Instruments bietet ein GPIB-Interface an, das Messinstrumente mit dem IBM PC verbindet.

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