Hannover 1947

"Zeigt was ihr könnt - macht eine Exportschau"

| Redakteur: Gerd Kucera

Mit ihrer "Export-Messe" schafften die Deutschen 1947 die Grundlage zur größten Industrieschau der Welt: Auf 30000ym in fünf Ausstellungshallen präsentierte die deutsche Industrie exportfähige Qualitätserzeugnisse.
Mit ihrer "Export-Messe" schafften die Deutschen 1947 die Grundlage zur größten Industrieschau der Welt: Auf 30000ym in fünf Ausstellungshallen präsentierte die deutsche Industrie exportfähige Qualitätserzeugnisse. (Bild: VBM-Archiv)

Das Ende war der Anfang. Aus dem steinernen Boden leerer Fabrikhallen wuchs ein Weltsymbol. Niemand ahnte, was sich hier entfalten sollte. „Wenn ihr nicht verhungern wollt, müsst ihr exportieren“, konstatierten britische Wirtschaftsoffiziere. Da hatte General Sir Brian Robertson, Statthalter der britischen Besatzungszone, eine Idee:

Der erstarrende Hauch einer Politik, die mit dem Namen Morgenthau-Plan in die Geschichte eingegangen ist und eine weit gehende Ausschaltung des deutschen Industriepotenzials (dessen klägliche Überreste noch für zu viel angesehen wurden) zur obersten Leitlinie erhoben hatte, lag über dem Land und seinen Menschen.

„Zeigt was ihr könnt“, wurden sie angewiesen. „Wenn ihr nicht verhungern wollt, müsst ihr exportieren. Welche Waren ihr für geeignet haltet, auf dem Weltmarkt zu bestehen, die sollt ihr ausstellen. Macht eine Exportschau.“

In dieser Zeit tiefster Depression wurde schlagartig von den Deutschen verlangt, nach einer äußerst knapp bemessenen Vorbereitungszeit der Weltöffentlichkeit zu beweisen, welche wirtschaftliche Kraft Unternehmer, Arbeiter und Politiker in diesem Land wieder zu wecken in der Lage sind. Ausländische Käufer mussten gesucht und vom Fortbestehen deutscher Warenqualität überzeugt werden. Dafür war Deutschland ein Marktplatz mit traditionell gutem Namen.

In Leipzig war er bereits wieder mit Leben erfüllt. Aber aus Sicht der Briten erschien diese Stadt im sowjetischen Machtbereich als ungeeignet. Für sie sollte die Ausstellung ein Schaufenster sein, das die (positive) Wirkung der britischen Besatzung in ihrer Zone zeigt. Von der Militärregierung abgesegnet beschäftigten sich Deutsche und Briten seit Herbst 1946 in Düsseldorf mit einem solchen Vorhaben.

4000 Menschen bauen in nur 100 Tagen ihr Messegelände

Drei Monate sollte dort die Ausstellung dauern und alles zeigen, was inzwischen unter britischer und amerikanischer Besatzung produziert wurde. Aber am Rhein wollte man an einer eigenen großen Schau festhalten. Und die sollte erst 1948 stattfinden. Das war den Wirtschaftsoffizieren viel zu spät, sodass General Robertson befahl: „Vom 18.08. bis zum 07.09.1947 hat eine Exportmesse stattzufinden.“

Die Entscheidung fiel auf Hannover. Mehr als 4000 Menschen haben 1947 unter schwierigsten Bedingungen in knapp 100 Tagen das Gelände für die „Export-Messe 1947 Hannover“ hergerichtet. Als dann die erste Hannover-Messe stattfand, war das ein zukunftsweisendes Zeichen der Hoffnung für die Menschen in einer Stadt, die, wie so viele andere Städte in Deutschland, völlig zerstört worden war und in den Jahren des Krieges mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren hatte.

Ludwig Erhard (1945 Wirtschaftsminister in Bayern, 1949 Bundeswirtschaftsminister, 1963 Bundeskanzler) hat die soziale Marktwirtschaft durchgesetzt und damit den schöpferischen Kräften der Menschen Schwung und Richtung gegeben. Freiheit für die Wagemutigen und Solidarität mit den Schwächeren, das waren die entscheidenden Anstöße für eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung.

In den 50er- und 60er-Jahren war Hannover für viele Millionen Besucher das Schaufenster des deutschen „Wirtschaftswunders“, das die Menschen mit einer Leistungsbereitschaft, neuen Ideen und Mut zur Zukunft erarbeitet haben.

Heute ist die HANNOVER MESSE mit ihren wechselnden Schwerpunkten ein Aushängeschild für den Standort Deutschland und Sprungbrett für die heimische Wirtschaft in neue aufstrebende Wirtschaftsregionen.

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