Software-Geschichte

Windows-Historie, Teil 4 – Die sechste Generation

| Autor: Sebastian Gerstl

Die Performance- und Stabilitätsprobleme, mit denen Vista zu Beginn stark kämpfen musste, sind in Windows 7 weitgehend ausgebügelt. Technische Neuerungen halten sich dabei in Grenzen. Eine Neuerung ist die Eingabeaufforderung „Powershell“. Im Gegensatz zu den früheren DOS-Prompts erinnert sie nun mehr an die Terminal- oder Shell-Umgebungen aus Linux-Systemen und erlaubt somit auch Programmiervorgänge. Ebenfalls aus Linux oder Mac OS X entlehnt ist die Möglichkeit, ISO-Images nun direkt ohne zusätzliches Programm auf CDs oder DVDs zu brennen. Die in Vista viel kritisierte Benutzerkontensteuerung ist nun einfacher zu bedienen und besser strukturiert. Dank deutlich verbesserter Spracherkennung und zusätzlichen Bedienungsoptionen wurde in Windows 7 zudem eine deutlich größere Barrierefreiheit als in bisherigen Ausgaben geschaffen.

Im Gegensatz zum Vorgänger wurde Windows 7 vom Markt ausgesprochen gut aufgenommen: Nach Angaben von Microsoft setzte das Unternehmen im ersten Jahr nach Erscheinen bereits 240 Millionen Lizenzen ab, derzeit nutzen weltweit 3 von 5 Rechnern das Betriebssystem. Ähnlich wie schon 1998 geriet Microsoft allerdings wieder wegen einer Browserangelegenheit in Schwierigkeiten mit Wettbewerbshütern, diesmal von Seiten der EU-Kommission: Da man weiterhin seinen Webbrowser Internet Explorer mit dem Betriebssystem bündelte, verfügten die Kartellwächter im Jahr 2009, dass das Unternehmen bei der Installation auch alternative Angebote auflisten müsste.

Um dem zu entsprechen, richtete Microsoft das Webangebot browserchoice.eu ein, das bei der Installation des Betriebssystems für die Browserauswahl automatisch aufgerufen wurde. Als nach Erscheinen des Service Packs 1 für Windows 7 dieses Angebot zwischenzeitlich nicht mehr auftauchte, leitete die EU erneut ein formelles Kartellverfahren gegen Microsoft ein und verurteilte letztlich das Unternehmen zu einer Geldstrafe in Höhe von 561 Millionen €. Mit dem Auslaufen der EU-Auflagen schaffte Microsoft die Browserwahl unter Windows nach fünf Jahren im Dezember 2014 wieder ab.

Trotz der großen Verbreitung des Systems stellte Microsoft den Mainstream Support des Betriebssystems zum 13. Januar 2015 ein: Es wird keine größeren Feature- oder Service-Pack-Updates für Windows 7 mehr geben. Voraussichtlich bis zum 14. Januar 2020 sollen allerdings weiterhin noch Hotfixes und Sicherheitsupdates bereitgestellt werden.

Windows 8, 8.1 & RT: Apps, Kacheln und Tablet-Ausrichtung

Windows 7 hatte zwar bereits Multi-Touch-Funktionalität eingeführt, war jedoch kein auf Tablet-Nutzung optimiertes Betriebssystem. Um das verstärkte Wachstum in diesem PC-Marktsegment zu adressieren, entschloss sich Microsoft für die nächste Fassung von Windows daher zu einem radikalen Neudesign. Dieses war allerdings in erster Linie nur optischer Natur – im Inneren von Windows 8 schlägt weiterhin der NT6-Kernel, diesmal in der Version NT 6.2. Zudem reduzierte das Unternehmen die Zahl der angebotenen Varianten wieder: an Stelle der sechs verschiedenen Fassungen von Windows 7 traten bei Windows 8 die für Heimanwender gedachte Version „Windows 8 Core“ (im Handel nur „Windows 8“ genannt), das an die Verwendung von Domänennetzwerken gerichtete „Windows 8 Pro“ und schließlich das umfangreiche „Windows 8 Enterprise“ für große Lizenzkunden.

Windows 8 erschien weltweit am 26. Oktober 2012. Um Streitigkeiten mit EU-Kartellwächtern zu entgehen und auf alternative „N“-Fassungen wie in XP, Vista und 7 zu verzichten, ist das Windows Media Center nun nicht mehr in der Basisinstallation von Windows 8 vorhanden. In der Pro-Ausgabe kann es allerdings für einen separaten Aufpreis nachgerüstet werden. In OEM-Fassungen ist die Software allerdings meist bereits vorinstalliert.

Wie bereits erwähnt entschloss sich Microsoft mit Windows 8 zu einer radikalen Umgestaltung der GUI. Anders als bislang gewohnt landeten Nutzer nach dem Systemstart nicht mehr direkt auf dem Desktop. Stattdessen wurde ein neues, bildschirmfüllendes Startmenü präsentiert, dass zunächst „Metro“ genannt wurde – nach einer Klagedrohung der Handelsgruppe Metro AG benannte man das User Interface in „Modern UI“ um.

Die neue Oberfläche wurde für die Nutzung auf Tablets optimiert: Mit Wischgesten konnte durch die Übersicht der installierten Anwendungen hin- und hergeblättert werden, Apps ließen sich in zwei verschiedenen Größen frei auf der Oberfläche anordnen. Such- und Einstellungsfunktionen wurden nun versteckten Schnellzugriffsleisten untergebracht, die sich nach Bedarf ein- und ausblenden lassen. Per Tipp auf die Windows-Taste auf Tablet oder Tastatur oder über die Auswahl der entsprechenden Schaltfläche ist ein schneller Wechsel zwischen der Modern UI und der gewohnten Desktop-Oberfläche möglich.

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