Software-Geschichte

Windows-Historie, Teil 4 – Die sechste Generation

| Autor: Sebastian Gerstl

Ansonsten erhielt das Betriebssystem zahlreiche Erweiterungen und Aktualisierungen von Systembestandteilen. Der Leistungsmonitor wurde ausgebaut, die meisten Windows-Bestandteile wie DirectX, Media Center und Systemwiederherstellung wurden komplett überholt und ausgebaut. Mit dem Disk-Manager ließen sich nun auch unter Windows Partitionen relativ einfach vergrößern oder verkleinern. Zudem bekam das Betriebssystem, das von Beginn an in 32- und 64-Bit-Versionen erhältlich war (die 64Bit-Fassungen von XP erschienen erst einige Jahre nach dem ursprünglichen Release), eine Option zur Sprachsteuerung spendiert. Deren Popularität hielt sich allerdings in Grenzen, zumal sie Funktion noch kurz vor Release durch einige unangenehme Glitches auffiel.

Auch wenn sich Windows Vista in den ersten Monaten besser verkaufte als seinerzeit Windows XP, geriet das Betriebssystem in der öffentlichen Meinung zum Flop. Schon kurz nach Erscheinen merkten einige Fachmedien an, dass das Betriebssystem langsamer und schwerfälliger wirkte als sein Vorgänger. Schuld daran war wohl die Art und Weise, in der Microsoft die Entwicklung des OS betrieben hatte: Um möglichst viele Features schnell in das System integrieren zu können, arbeiteten mehrere Programmierteams, mehr oder weniger losgelöst von anderen, an einzelnen Komponenten und fügten diese nach Fertigstellung wieder in die jeweiligen Builds ein. Das führte dazu, dass einzelne Bauteile oft nicht gut zusammenarbeiteten, was in der Folge zu Performance- und Stabilitätsproblemen führte.

Einige der neuen Features wurden von vielen Anwendern eher als störend denn als hilfreich empfunden. Die digitale Treibersignatur ließ in vielen Fällen die Installation offizieller, aber älterer Gerätetreiber nicht zu. Selbst bei angepassten Vista-Treibern kam es oft noch zu Kompatibilitätsproblemen. Auch die erweiterte Benutzerkontensteuerung war, wie einige Kritiker ironischerweise anmerkten, nicht benutzerfreundlich: Das Betriebssystem neigte dazu, Nutzer dermaßen oft zur Eingabe des Administratorpassworts aufzufordern, dass gerade viele Heimanwender ihre eigenschränkten Kontos gleich in uneingeschränkte Admin-Accounts umwandelten. Das angedachte Sicherheitsfeature wurde so effektiv zum Sicherheitsrisiko. Im ersten Service-Pack zu Vista reduzierte daher Microsoft die Anzahl der entsprechenden Aufforderungen signifikant.

Im Laufe der Zeit, spätestens mit dem zweiten Service Pack, bekam Microsoft die Performance-Probleme des Systems zwar in den Griff. Die meisten Nutzer und Firmen hielten allerdings weiterhin an XP fest: Die Umstiegshürde war zu groß, die Probleme des Systems wurden von vielen als hinderlich wahrgenommen. Einige Fachmagazine wie „PC World“ oder „InfoWorld“ zählten das OS zu den „größten Tech-Enttäuschungen des Jahres“. Selbst Partner und OEM-Hersteller wie Acer bezeichneten das Betriebssystem von Microsoft als eine „Enttäuschung“. Für die Entwicklung des Nachfolgers nahm sich Microsoft die Kritikpunkte zu Herzen.

Windows 7: Dominanter Marktführer

Mit dem nächsten Nachfolger ließ sich Microsoft deutlich weniger Zeit: Bereits zwei Jahre nach Vista erschien Windows 7 auf dem Markt. Anders als die Namensgebung vermuten lässt handelte es sich diesmal aber nicht um eine komplett neue Kernel-Version, sondern „nur“ um den aktualisierten Vista-Kern NT 6.1. Mit der Namensgebung wollte Microsoft wohl in erster Linie von der Verwandtschaft zum wenig erfolgreichen Vorgänger ablenken. Offiziell begründete das Unternehmen den Schritt damit, mit Windows 7 die siebte Serie der Windows-Produktpalette gestartet zu haben.

Funktional ist Windows 7 mit seinem Vorgänger Vista in weiten Teilen identisch. Am auffälligsten ist noch die nochmals überarbeitete Taskleiste, auch „Superbar“ genannt, in der nun alle offenen Fenster eines Programms hinter einem gemeinsamen Symbol gruppiert sind. Außerdem wurde in dem System von Beginn an die Unterstützung von Multi-Touch-Kontrollen integriert. Im Explorer sind nun vier sogenannte „Bibliotheken“ integriert, in denen Dateien je nach Art – Bilder, Dokumente, Musik oder Videos – unabhängig vom Speicherort gesammelt zusammengefasst werden können. Auch der Media Player wurde abermals erweitert, diesmal um einen .H264-Codec zum Abspielen von HD-Videos.

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