Elektrotechnik

Was die passenden Bauelemente bewirken können

| Autor / Redakteur: Günter Regulk * / Kristin Rinortner

Riesenkondensator: Auf beiden Waagschalen liegen Kondensatoren mit der Kapazität von 1 F. Die rechte Ausführung, 1939 von Siemens gebaut, galt als Höchstleistung des Kondensatorbaus. Die linke wurde zur Hannover Messe 1971 gezeigt.
Riesenkondensator: Auf beiden Waagschalen liegen Kondensatoren mit der Kapazität von 1 F. Die rechte Ausführung, 1939 von Siemens gebaut, galt als Höchstleistung des Kondensatorbaus. Die linke wurde zur Hannover Messe 1971 gezeigt. (Bild: Siemens)

Der Fortschritt der Elektrotechnik ist eng mit der Entwicklung der Bauelemente verwoben. Diese wurden immer kleiner und schufen so die Voraussetzungen für Massenanwendungen.

Als Werner Siemens am 5. Februar 1879 in seinem Brief an den Generalpostmeister Heinrich Stephan den Begriff „Elektrotechnik“ prägte, ahnte er wohl nicht, welchen Grundstein er damit legte. Um 1800 nämlich beschäftigten sich zahlreiche Physiker, Mechaniker und Handwerker damit, die entdeckten Phänomene Elektrizität und Magnetismus praktisch anzuwenden. Doch ihnen war nicht klar, dass sich hier ein vollkommen neues Gebiet der Technik entwickelte.

Mit dem Begriff „Elektrotechnik“ verdeutlichte dann Werner Siemens, dass es sich dabei um die technische Anwendung der Elektrizitätslehre handelte. Werner Siemens, geadelt erst 1888, übersandte Heinrich Stephan, geadelt 1885, die Statuten für einen neu zu gründenden „deutschen Verein für Elektrotechnik“. Die Gründungsversammlung fand dann am 20. Dezember 1879 statt.

Wie Werner Siemens es damals formulierte, erinnern die Begriffe aus heutiger Sicht schon ein ganz klein wenig an Industrie 4.0: „Ein solcher Verein ist ein unabwendbares Bedürfnis geworden und kann eine ungemein segensreiche Wirkung entfalten. Neben der Telegraphie, die schon in etwas ruhigere Fortschrittsbahnen eingelenkt ist und das aristokratische-konservative Element der Elektrotechnik repräsentiert, sehen wir überall ein wildes Rennen auf diesem Gebiet, ein rastloses Streben, der Elektrizität einen wichtigen Platz in den alten Industriezweigen zu erobern und neue auf sie zu begründen. Namentlich seit durch die dynamoelektrischen Maschinen die Möglichkeit gegeben ist, billig starke elektrische Ströme durch Arbeitskraft zu erzeugen, ist das elektrische Zukunftsgebiet fast unbegrenzt geworden.“ [1].

Grundlagen für die Entwicklungen bildeten zahlreiche Entdeckungen der Naturwissenschaften: So beschrieb Hans Christian Oersted im Jahr 1820 den Elektromagnetismus, André-Marie Ampère leitete daraus die elektrodynamische Wechselwirkung stromdurchflossener Leiter ab und Michael Faraday entdeckte dann 1831 das Induktionsprinzip.

Die frühen Pioniere legten die Basis für heutige Technik

Diese und zahlreiche weitere Entdeckungen dienten den frühen Pionieren der Elektrotechnik als Grundlage für erste Anwendungen, wie sie heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind: Auf der Berliner Gewerbeausstellung 1879 erregten manche besonderes Aufsehen: Die erste elektrische Eisenbahn mit Fremdstromversorgung versorgte einen 3-PS-Gleichstrommotor, elektromotorische Antriebe verrichteten in Arbeitsmaschinen ihren Dienst und zu bestaunen gab es die erste elektrische Beleuchtung mit Hilfe der gerade erst konstruierten Differentialbogenlampe.

Von da an war es nur ein kleiner Schritt, dass sich der Fortschritt nicht nur in Exponaten für Ausstellungen widerspiegelte, sondern dass dieser auch in den Alltag der Bevölkerung einzog. 1880 staunten die Menschen über den ersten elektrischen Aufzug in Mannheim, 1881 fuhr in Lichterfelde bei Berlin die erste elektrische Straßenbahn und 1882 der erste elektrische Obus (Oberleitungsbus) durch Berlin. Der elektrotechnische Fortschritt nahm seinen Lauf.

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