Drahtlose Kommunikation

Vor 115 Jahren: Die erste transatlantische Funkbrücke

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Guglielmo Marconi mit einer Senderanlage (rechts) samt passendem Empfänger (links). Am 12. Dezember 1901 sendete der Radiopionier vom britischen Cornwall aus erstmals ein Funksignal über den Atlantik, das erfolgreich in einer Gegenstation auf Neufundland empfangen wurde.
Guglielmo Marconi mit einer Senderanlage (rechts) samt passendem Empfänger (links). Am 12. Dezember 1901 sendete der Radiopionier vom britischen Cornwall aus erstmals ein Funksignal über den Atlantik, das erfolgreich in einer Gegenstation auf Neufundland empfangen wurde. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Es waren nur drei kurze Signale, doch sie sollten die internationale Kommunikation revolutionieren: Am 12. Dezember 1901 notierte Radiopionier Guglielmo Marconi in einer abgelegenen Funkanlage auf Neufundland den Eingang des ersten übermittelten transatlantischen Funksignals.

Es gilt als eine der maßgeblichen technischen Errungenschaften der Kommunikation, einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Durchbrüche des 20. Jahrhunderts. Bei schlechtem Wetter und unter widrigen Umständen, um 12.30 Uhr Ortszeit, wartete Guglielmo Marconi in einem ausgedienten Fieber- und Diphterie-Hospital auf eine Nachricht aus dem Äther. Die Anlage im neufundländischen St. Johns war kurzerhand in eine Empfangsstation umfunktioniert worden, die auf einem Hügel gelegen war, der den fast schon prophetischen Namen „Signal Hill" trug.

Über 3500 Kilometer entfernt, in einer eigens zu diesem Zweck geschaffenen Funkanlage im britischen Poldhu, machten sich Angestellte der Wireless Telegraph and Signal Co. erstmals daran, eine kurze Botschaft über den Atlantik abzusetzen - ohne Kabelverbindung, direkt über die erst vor kurzem entdeckte Funkübertragung. Und tatsächlich notiert Marconi, der nur empfangen, aber nicht selber senden kann, drei kurze Klickgeräusche – den Buchstaben S aus dem Morsealphabet. Marconi markiert dieses historische Ereignis in seinem Tagebuch: es ist das erste Mal, dass ein Signal erfolgreich und ohne Kabel über den Atlantik gesendet werden konnte.

Bis zu diesem Zeitpunkt war es ein langer Weg. Am 4. September 1837 hatte der amerikanische Ingenieur Samuel Morse erstmals erfolgreich demonstriert, wie sich Nachrichten im Form codierter Signale über Drahtleitungen übertragen lassen. Der Telegraph und das nach ihm benannte Morse-Alphabet brachte die Welt näher zusammen: Nachrichten, die zuvor mehrere Wochen brauchten, konnten nun innerhalb von Stunden übermittelt werden.

Als dann zehn Jahre später Werner von Siemens die Guttaperchapresse entwickelte, mit der Kabel isoliert und so auch unter Wasser eingesetzt werden konnten, konnten die Länder der Welt erstmals auch über die Ozeane hinweg direkt miteinander kommunizieren. Am 28. Juli 1866 nahm schließlich die erste transatlantische Telegrafenleitung ihren Betrieb auf.

Innerhalb kürzester Zeit entstanden weltweit Unternehmen für Nachrichtentechnik. Die Telegrafie brachte die Welt näher zusammen. Doch die kabelgebundene Technik hatte auch Nachteile: Orte in unwegsamer Lage, an die keine Leitungen gelegt werden konnten – beispielsweise im Gebirge oder abseits großer Verkehrswege – blieben vom Nachrichtenverkehr abgeschnitten. Und Schiffe, die oft tage- oder gar wochenlang im Atlantik und Pazifik unterwegs waren, verkehrten in der gesamten Zeit ihrer Überfahrt quasi blind, was den Empfang oder das Absetzen von Nachrichten betraf.

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