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Von Handmustern in Vitrinen zum interaktiven Messeerlebnis

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Innovationen der Elektronikindustrie werden seit 1964 auf der electronica präsentiert.
Innovationen der Elektronikindustrie werden seit 1964 auf der electronica präsentiert. (Bild: Messe München)

In 50 Jahren entwickelte sich die Messe München von einem kleinen Start-up mit 24 Angestellten zu einer international führenden Messegesellschaft mit 900 Mitarbeitern.

Die 60er sind geprägt von einer generellen, wirtschaftlichen Aufbruchsstimmung, die auch vor München nicht Halt macht. Es ist die Zeit des Wirtschaftswunders. Messen gewinnen in bisher nicht gekanntem Maße an Bedeutung. Die (inter)nationale Nachfrage nach Produkten aus Industrie und Gewerbe legt bemerkenswert zu. Der Aufbau eines perfekt funktionierenden Messewesens liegt somit nahe und ist für München unerlässlich, um im Wettbewerb der Metropolen nicht ins Abseits zu geraten.

So wird am 1. April 1964 – mit nur 24 Angestellten – die Münchner Messe- und Ausstellungsgesellschaft (MMG) gegründet. Gesellschafter sind die Stadt München, der Freistaat Bayern, die Industrie- und Handelskammer von München und Oberbayern sowie die Handwerkskammer.

Gleich sieben Veranstaltungen finden im ersten Messejahr statt. Darunter die electronica, die Bühne, auf der eine dynamische Branche die Gelegenheit hatte, ihre technischen Innovationen erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zu den wichtigsten Erfindungen der Elektronikindustrie in den 60er und 70er Jahren zählen zum Beispiel die Floppy Disk 1969, die ersten Mikroprozessoren Anfang der 1970 und der Bildschirmtext 1977.

Trotz fehlender Unterstützung von deutschen Verbänden und Skepsis aus den Reihen der deutschen Großunternehmen entwickelte sich die Fachausstellung für elektronische Bauelemente sowie die dazugehörigen Mess- und Fertigungssystemen schon in den ersten Jahren zum Aussteller- und Besuchermagnet in ganz Europa, den USA, Japan oder der damaligen Sowjetunion. Zur Premiere kamen 140 Aussteller sowie 13.400 Besucher. Die Ausstellungsfläche war komplett belegt, Spätentschlossene bekamen nur noch Vitrinen. Zur zweiten Veranstaltung verdoppelte sich die Ausstellungsfläche sowie die Zahl der ausstellenden Unternehmen nahezu. Bis zum Jahr 1974 verzehnfachte sich nicht nur die Zahl der Aussteller, auch die Zahl der Besucher stieg auf mehr als 73.000.

Messeplatz München besteht erste Bewährungsprobe

1968 ist das erste große Erfolgsjahr der MMG. Der Messeplatz München gewinnt immer mehr an Attraktivität und Bedeutung, national sowie international. Insgesamt finden elf Messen sowie 24 größere Kongresse und Tagungen statt. Das enorme Wachstum der Messe führt zu einer Umstrukturierung einzelner Bereiche. So geht 1973 die LASER World of Photonics, die heutige Weltleitmesse der Laser- und Photonik-Industrie, aus der electronica hervor. Zwei Jahr später folgt die productronica, die weltweit größte Messe für innovative Elektronikfertigung. Sie zeigt alle zwei Jahre die gesamte Wertschöpfungskette der Elektronikfertigung unter einem Dach – von Technologien über Komponenten und Software bis hin zu Dienstleistungen und Services.

Der Platz wird eng an der Theresienhöhe

Mit dem Kauf der IMAG (Internationaler Messe- und Ausstellungsdienst) im Jahr 1980 werden die Weichen für den internationalen Durchbruch gestellt. Es entsteht die Unternehmensgruppe Messe München International. Der Erfolg der Messe führt trotz ständiger Erweiterungsbauten zu Platznot an der Theresienhöhe. Die Rufe nach einer Verlagerung des Messegeländes werden immer lauter und gipfeln in der historischen Denkschrift des damaligen Geschäftsführers, Werner Marzin, „zur Situation und den Zukunftsperspektiven des Messeplatzes München“. Am 9. Dezember 1987 stimmen Stadt und Freistaat schließlich dem Neubau auf dem frei werdenden Flughafengelände in Riem zu.

In den 90er Jahren wird die Messeverlagerung Realität. Der europaweiten Ausschreibung eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs 1991 folgt 1992 die Ausschreibung eines Realisierungswettbewerbs zur konkreten Planung der Neuen Messe München. Und dabei geht es nicht nur um die Messe, sondern um die Gestaltung eines komplett neuen Stadtteils. In direkter Nachbarschaft zur Neuen Messe München sollen Wohnungen, Kindergärten, Schulen, Grünanlagen und Geschäfte entstehen.

Am 9. September 1994 nehmen die jeweils höchsten Vertreter der Gesellschafter der Messe München GmbH gemeinsam den ersten Spatenstich zur Neuen Messe München vor. Nach nur knapp dreieinhalb Jahren Bauzeit werden am 12. Februar 1998 die Neue Messe München und das ICM – Internationales Congress Center München feierlich eröffnet. Unter den 5000 Gästen befinden sich Bundespräsident Roman Herzog, Italiens Regierungschef Romano Prodi, Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Der offiziellen Eröffnung folgt ein neuntägiges Eröffnungs-Programm für die Bevölkerung.

Im Jahr 1993 wird das Veranstaltungs- und Ordercenter MOC in München-Freimann eröffnet. Das Gebäude im Münchner Norden bietet als Veranstaltungscenter und Spezialmessegelände der Messe München International Ausstellungsflächen und Räume für Messen, Tagungen, Seminare und Corporate Events. Seit Oktober 2011 firmiert das MOC gemeinsam mit dem ICM und der Messe München International als Standort der Messe München.

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