Von der Holzwerkbank zum industriell-vernetzten Laborarbeitsplatz

| Redakteur: Hendrik Härter

Generationenwechsel: Andreas Fischer übernahm das Ruder

Das Jahr 1995 stellte einen Wendepunkt der Firmengeschichte dar. Andreas Fischer trat in das Unternehmen seines Vaters. Er studierte bis 1993 an der Fachhochschule Furtwangen im Schwarzwald Elektrotechnik. Mit einem Diplom in der Tasche hing er an der Fachhochschule Nürtingen ein Studium der internationalen Wirtschaftsbeziehungen an und schloss mit dem zweiten Diplom zum Wirtschaftsingenieur 1995 sein Studium ab. Er begann zunächst als Elektroingenieur im Unternehmen. Hier stellte sein Vater Ernst Fischer über Jahre hinweg die Weichen für die Übergabe des Unternehmens. Die Bemühungen mündeten schließlich in die erfolgreichen Übergabe der Geschäftsführeraufgaben vom Vater auf den Sohn. Andreas Fischer ist bis heute Inhaber der Firma und steuert als Geschäftsführender Gesellschafter das Unternehmen.

Wieder war es auf einer Münchner Messe, auf der ein Testsystem präsentiert wurde: Auf der electonica 1996 stellte erfi das Compact-Testgerät CANclass vor. Es vereint alle vier Sicherheitsprüfungen in einem modularen Konzept: Hochspannungs-, Isolations-, Schutzleiter- und Ableitstromprüfung. CAN-Bus und RS232-Schnittstellen sowie moderne elektronische Hochspannungserzeugung machen CANclass zukunftssicher.

Ein Jahr später folgte das flexible 19''-Schranksystem varantec 19 und 1998 die Prüfsoftware CANDY. Die Software wurde für Compact-Tester und Großprüfungen gleichermaßen entwickelt. Sie lief auf den Windows-Systemen 95, 98, NT und 2000. Mit der Prüfsoftware ließen sich Prüfplan- und Prüfdatenverwaltung auf jedem Standard-Rechner ausführen. Durch die Entwicklung unter LabVIEW von National Instruments und den konsequenten Einsatz von Grund- und Ausbaumodulen konnten selbst komplexe Prüfanlagen schnell gefertigt werden.

Im Jahr 2003 präsentierte erfi sein bisher umfangreichstes Möbelsystem am Markt: varantec. Das System wurde extra auf einem Farbkatalog mit ganzen 184 Seiten vorgestellt und detailliert erläutert. Der Name der Möbelserie steht für variable Anbindungstechnik und es wurden konsequent alle Bereiche eines Unternehmens angesprochen: Entwicklungsabteilungen, Fertigungseinrichtungen, Werkstätten, Nasslabore, Rechenzentren, Callcenter sowie die gesamte Verwaltung – alle konnten durchgängig mit einem System ausgestattet werden. Für die Unternehmen, die sich dafür entschieden, bedeutete das, man konnte jederzeit Arbeitsplätze von verschiedenen Unternehmensteilen modular untereinander austauschen.

Ein Jahr später präsentierte erfi eine fernsteuerbare Netzgerätegeneration: „highlab“ und „basic“. Integriert war die Gerätesoftware highlink. Mit über 300 unterschiedlichen Standardnetzteilen war für jedes Elektroniklabor die richtige Kombination dabei. Über die frontseitige Schnittstelle hatte der Anwender die notwendige Plug-and-play-Funktionalität. Dank der eingebauten Eigenintelligenz stand die notwendige Rechenleistung für beliebig programmierbare Rampenfunktionen zur Verfügung. Eine integrierte Messtechnik erfasste alle Strom- und Spannungswerte.

Neue Produktionshalle mit einem Kundencenter

Nach den erfolgreichen Labormöbelsystemen investierte man bei erfi im Jahr 2008 am Firmensitz ungefähr 3,5 Mio. Euro in eine neue Produktionshalle und einem Kundencenter. Auf einer Fläche von 2200 m² entstand das zweigeschossige Gebäude. Außerdem wurde der gesamte Fertigungsprozess neu organisiert. Entstanden ist ein zwölf Meter hohes Langgut-Lager für Stahl und Aluminium mit integrierter Bandsäge, vollautomatische Krananlagen und drei flexible Überladebrücken und zwei 8,5 m hohe Liftlagertürme. Die Glasfassade erstreckt sich über eine Länge von 40 m und mit seiner Höhe von 4 m sollte der Neubau den Mitarbeitern helle und ansprechende Arbeitsbedingungen bieten.

Im Jahr 2012 präsentierte man bei erfi die Labormöbelserie „elneos“. Sie besteht aus dem Gerätesystem „elneos five“ und dem Arbeitsplatzsystem „elneos connect“. So reagiert „elneos five“ auf Berührung, da es mit der Protective Capacitive Touch Technology arbeitet. Damit wurde erstmalig eine durchgehende Gerätefront aus Glas möglich, die als ein ganzflächiger Sensor funktioniert. Knöpfe drehen ist nicht mehr notwendig. Anwender können dabei wählen, wie sie das berührempfindliche Display bedienen: mit einem, zwei, drei oder fünf Fingern.

Außerdem ist es möglich, dass mehrere Benutzer die Geräte über die Split-Screen-Technik bedienen können. So lässt sich das Doppelregelnetzgerät von zwei gleichzeitig bedienen. Zur besonderen Bedienoberfläche gehört, dass sich das in das Glas eingeschliffene 3D-Wheel auch blind bedienen lässt. Oder die farbig beleuchteten, kapazitive Sensortasten, auf denen sich verschiedene Zusatzfunktionen programmieren lassen.

Insgesamt sind in das Elektronikgerätesystem „elneos five“ fünf Gerätegruppen integriert: Regelnetzgerät, Digitalmultimeter, Leistungsenergiemesser, Funktionsgeneratoren sowie Arbiträrgenerator. Die Geräte lassen sich in drei unterschiedlichen Modi betreiben: Im Single-Mode-Betrieb mit nur einer Gerätefunktion, im Multi-Mode-Betrieb und im Multi-Expand-Mode-Betrieb mit 19''- Zusatzeinschüben. Das Arbeitsplatzsystem „elneos connect“ ermöglicht es, Kabel unterbrechungsfrei zu führen. Zudem lässt sich die Arbeitshöhe über eine hydraulische Höhenverstellung justieren. Für das notwendige Licht am Arbeitsplatz sowie das Indikationslicht sorgen RGB-LEDs.

Von der Werkbank hin zu vernetzten Labortischen

Das Arbeitsplatzsystem elneos five zeigt, dass sich erfi sehr stark weiterentwickelt hat: Hatte in den 1950er Jahren noch die klassische Werkbank im Mittelpunkt gestanden, so sind es heute vernetzte Arbeitstische mit integrierten und vernetzten Messgeräten. Das spiegelt sich auch im aktuell neugebauten und im Dezember 2017 eingeweihten Kundencenter wider. Neben dem neuen Kundencenter wurde für über vier Mio. Euro in eine komplett neue Labormöbelproduktion mit vollautomatisierten und verketteten Maschinen investiert. Ganz im Geist von Industrie 4.0. Durch den vernetzten Maschinenpark mit Automatisierungsbändern und Leitstandtechnik entstand am Standort von erfi in Freundenstadt ein modernes Produktionswerk für komplexe Arbeitsplatzsysteme. Dank der Leitstandsoftware können alle Möbel- und Elektronikbauteile während der vollautomatisierten Produktion verfolgt und gesteuert werden. Und mit Robotertechnik und Sortierspeicher für Bauteile lassen sich unterschiedliche CNC-Maschinen bestücken.

So schließt sich der Kreis: Von den Anfängen eines Tischlers, der Holzwerkbänke gebaut hatte, damit es im Nachkriegs-Deutschland wieder aufwärts ging, hin zu den vernetzten Laborarbeitsplätzen mit integrierten Funktionen, mit dem Entwickler komplexe Schaltungen in der digitalisierten Arbeitswelt entwickeln können.

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