Von der Holzwerkbank zum industriell-vernetzten Laborarbeitsplatz

| Redakteur: Hendrik Härter

Werkbank im Fokus: Seit der Firmengründung von erfi im Jahr 1955 stand die Werkbank immer im Mittelpunkt. Entwickelt haben sie sich von einem einfachen Holzkonstrukt zu einem multifunktionalen Labor- und Arbeitsplatzsystem. Das Bild zeigt das Arbeitsplatzsystem erfi elneos connect.
Werkbank im Fokus: Seit der Firmengründung von erfi im Jahr 1955 stand die Werkbank immer im Mittelpunkt. Entwickelt haben sie sich von einem einfachen Holzkonstrukt zu einem multifunktionalen Labor- und Arbeitsplatzsystem. Das Bild zeigt das Arbeitsplatzsystem erfi elneos connect. (Bild: erfi)

Als Ernst Fischer 1955 damit begann, Industriewerkbänke zu bauen, herrschte Aufbruchstimmung in Deutschland. Heute ist die Industrie vernetzt und mit ihr auch der Laborarbeitsplatz.

Elektronik-Entwickler verbringen viel Zeit an ihren Arbeitstischen im Labor. Hier sollte auf kleinen Raum alles Wichtige zur Verfügung stehen. Nach wie vor ist Entwicklungsarbeit im Labor auch immer noch Handwerk. Und das sind auch die Anfänge von erfi. Doch der Reihe nach. Nachdem Ernst Fischer mit knapp 20 Jahren 1945 in seine zerstörte Heimat Betzweiler bei Loßburg/Freudenstadt zurückkehrte, begann er eine Lehre in der Zimmerei Fischer. Die Namensverwandtschaft war gegeben, denn das Unternehmen gehörte seinem Bruder Gottlieb Fischer. Es war auch die Zeit, wo überall Hände zum Zupacken gebraucht wurden.

Das Zimmergeschäft Fischer beschäftigte viele Zimmerleute aus der Region, welche die im Krieg zerstörten Häuser in Freudenstadt wieder aufbauten. Nachdem Ernst Fischer eine Meisterausbildung zum Zimmermeister absolvierte, legte er im Jahr 1955 den Grundstein seiner Firma. Aus den beiden Anfangsbuchstaben aus Vor- und Nachnamen entstand der Firmenname erfi. Als Zimmermeister machte er sich viele Gedanken, was die Menschen in Deutschland nach dem Krieg benötigten, damit die Wirtschaft wieder an Fahrt aufnehmen konnte. Seine Idee war es, ganze Arbeitsplatzsysteme zu bauen. Mit dieser Entscheidung lag er bis zum heutigen Tag richtig.

Es begann mit einer Industriewerkbank und Werkzeugschränken

Sein erstes Produkt war die Industriewerkbank. Aufgrund des Erfolges baute Fischer die Werkbank schnell zu einem professionellen Werkbanksystem aus. Hohe Qualität und Solidität waren auch schon damals die Grundpfeiler für den Erfolg des Unternehmens. So wuchs auch schnell das Angebot: Neben der professionellen Industriewerkbank kamen die passenden Werkzeugschränke, Spintschränke und umfangreiches Zubehör wie Schraubstöcke hinzu. Um den Verkauf weiter anzukurbeln, hat das Team um Fischer die ersten Kataloge gedruckt, die an Kunden versendet worden sind.

Doch wie bei fast jedem aufstrebenden Industrieunternehmen reichte der Platz für Produktion und Verwaltung nicht mehr aus. Ein neuer Ort musste gefunden werden, damit das Unternehmen weiter expandieren konnte. Aus diesem Grund suchte Ernst Fischer für seine Mitarbeiter Mitte der 1960er Jahre nach einer Fläche, wo das Unternehmen wachsen konnte. Gefunden hatte er es in einem damals noch nicht erschlossenen Industriegebiet. Ein erstes Produktionsgebäude sowie ein privates Wohnhaus wurden errichtet.

Als sich Mitte der 1960er Jahre die Wirtschaft wieder erholt hatte, wurde der Ruf nach Elektroniklabortischen laut. Die Mitarbeiter um Fischer hatten als erstes Unternehmen am Markt die Idee eines Elektroniklabortisches aufgegriffen und bereits Mitte des Jahrzehnts wurde ein erstes Labormöbelprogramm für den Fachbereich Elektronik präsentiert. Als Marktgründer und Wegbereiter wurde sehr schnell die revolutionäre Idee geboren, elektronische Komponenten fest in die Arbeitsmöbel einzubauen. Aus diesem Grund wurde eine eigene Elektronikabteilung gegründet und erste elektronische Geräte entwickelt. Entstanden war das Laborsystem ABZ. Dieses war enorm erfolgreich auf den Markt und avancierte zum Wegbereiter für eine ganze Branche. Das war auch wieder ein Grund, warum die Kapazitäten bei erfi nicht mehr ausreichten. Wieder war Geschäftsführer und Gründer Ernst Fischer auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Weitere Produktions- und Verwaltungsgebäude entstanden in den Jahren 1969 bis 1981.

Das Jahr 1965 war die Zeit für den nächsten Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Mit dem ersten originalen 19-Zoll-Geräteeinschubsystem waren Fischer und seine Mitstreiter wieder Vorreiter auf dem Markt. Entstanden ist das System MPL. Die Abkürzung steht für Mess-, Prüf- und Lehrsystem. Dahinter stand die Idee, alle Gerätekomponenten in einer einheitlichen und genormten Einschubtechnik mit 19 Zoll zu entwickeln und in die Labormöbel einzubauen. Damit konnte sich erfi wieder eine führende Marktposition sichern. Das Programm wuchs schnell: Sicherheits- und Schalteinheiten, Regelnetzgeräte, Wechselstromversorgung und viele Hilfsgeräte entwickelten die Mitarbeiter um Fischer selbst und auch die Produktion gab man nicht aus den Händen. Ziel war es, die Qualität so hoch wie möglich zu halten. Zum ersten Mal waren die Kompetenz von Labormöbel- und Elektronikproduktion bei erfi jetzt unter einem Dach vereint.

Ein Novum waren die verschiedenen Schnittstellen

Es war 1978, als die Entwickler bei erfi die Elektronik konsequent weiterentwickelt hatten. Denn mit den ausgehenden 1970er Jahren kamen Testsysteme für Hochspannungs-, Isolations-, Schutzleiter-, Ableitstrom- und Funktionsprüfung auf den Markt. Ein Novum für diese Zeit war, dass die Geräte bereits mit Schnittstellen ausgestattet waren. So konnte der Anwender vom manuellen Prüfgerät bis zur vollautomatisierten Prüfanlage auswählen.

Machen wir einen Sprung in das Jahr 1987: Zur productronica in München präsentierte erfi eine Entwicklung, die den Labormöbelmarkt wieder verändern sollte: Das Aluminiumsystem highlab bot dem Anwender hochgesetzte 19''-Gerätecockpits, integrierte Arbeitsplatzleuchten, Versorgungsterminals für Kleingeräte in der Tischplatte und großvolumige Dreiecks-Aluminiumsäulen für das Kabelmanagement. Das waren die Eckpfeiler, an denen sich jetzt der Markt orientierte. Für diese Labormöbelserie gab es ganz unterschiedliche Auszeichnungen: Das waren zum einen „if – gute Industrieform“ Hannover, das „design-center“ Stuttgart oder auch „Design-Innovationen“ des Industrieforums Essen.

Das motivierte die Entwickler bei erfi und sie weiteten das Angebot von highlab aus: Die Labormöbel aus Aluminium waren jetzt auch als Gerätesystem verfügbar. Gleichzeitig legte man bei erfi Wert auf Ergonomie und Gestaltung. Ein gutes Design zeichnet sich durch Integration der Form zusammen mit Handhabung, Funktion und Usability aus.

Doch allein Labormöbel waren für erfi nicht allein Garant für Erfolg. Es wurden nicht nur einzelne Prüfgeräte verkauft, sondern auch komplett automatisierte Testsysteme inklusive allen Funktionsprüfungen. Anfangs entwickelte das Unternehmen auf Rechnern mit dem plattformunabhängigen Betriebssystem CP/M die Software. Später wurden PC-Systeme auf Basis von Windows eingesetzt. Bemerkenswert: Bereits in den 1980er Jahren hatte man bei erfi eine Prüfsoftware entwickelt, die auf Windows-basierte und erstmalig auf einem Touchdisplay vorgestellt wurde. Windows wurde schnell bei den Spezialisten von erfi beliebt: Noch mit einem Windows der Version 2.x war man Pionier bei den Prüf- und Testsystemen. Denn automatisierte Prüfabläufe verlangen nach einer äquivalenten Software. Also lag es nahe, eine standardisierte Prüfsoftware für Windows zu entwickeln. So war eine moderne und grafische Menüführung und Statistikmodule bereits 1989 Standard. Es ließen sich Bandsteueranlangen und komplizierte Prüfabläufe mit extremen Taktzeiten problemlos realisieren.

Heidelberger Druck beschert einen großen Auftrag

Im Jahr 1991 bekam der Laborarbeitsplatz highlab einen kleinen Bruder spendiert: Das Möbelsystem highlab junior erhielt ebenfalls zahlreiche Designauszeichnungen. Sein großer Vorteil war es, dass Teams jetzt besonders gut zusammenarbeiten konnten. Die gerade erst begonnenen 1990er Jahre waren auch finanziell ein voller Erfolg: Vom Weltunternehmen Heidelberger Druck kommt ein Auftrag mit einem Umfang von 3,5 Mio. DM. Gekauft hatte man natürlich das highlab-System. Ebenfalls interessiert an den Laborarbeitstischen war der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz, der sich mit dem System eingedeckt hatte.

Damit Märkte für Montage, Office oder Leitstände nicht ausgeschlossen blieben, entschied man sich bei erfi für einen Nachfolger des highlab junior: geboren war varantec. Jetzt konnte man ein deutlich breiteres Publikum ansprechen. Neben den Laboreinrichtungen wurden nun wieder umfassende Werkstatt- und Betriebseinrichtungen ausgeliefert. So fand erfi den Weg zurück zu seinen Ursprüngen. Von der Industiewerkbank aus den Anfangsjahren zum Labortisch und zurück zum modernen Montagearbeitsplatz.

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