Hochfrequenztechnik

Vom Allwellenfrequenzmesser zum HF-Präzisionsmessgerät

| Redakteur: Hendrik Härter

Von München aus zum Weltkonzern: Seit über 80 Jahren wächst Rohde & Schwarz mit den Anforderungen der Hochfrequenztechnik.
Von München aus zum Weltkonzern: Seit über 80 Jahren wächst Rohde & Schwarz mit den Anforderungen der Hochfrequenztechnik. (Bild: Rohde & Schwarz)

Mit dem Studium bei einem Pionier der Hochfrequenztechnik und ihren Entwicklungen zur Hochfrequenz-Messtechnik legten Lothar Rohde und Hermann Schwarz den Grundstein für die HF-Messtechnik.

Die Firmengeschichte von Rohde & Schwarz beginnt im thüringischen Jena, wo sich zwei Physikstudenten im Spätherbst 1929 am Physikalisch-Technischen Institut der Universität trafen. Die beiden Kommilitonen Lothar Rohde und Hermann Schwarz studierten bei Abraham Esau, einem Professor, der zu den Pionieren der Hochfrequenztechnik gehörte. Beide teilten die Begeisterung für die Hochfrequenztechnik. Im Jahr 1931 doktorierte Rohde über „Gasentladungen bei sehr hohen Frequenzen“ und Schwarz über „Strommessungen bei sehr hohen Frequenzen“.

Die Hochfrequenztechnik hat Rohde und Schwarz von Anfang an verbunden. Sie zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. Umgekehrt hat auch das Unternehmen seit dem ersten Messgerät von 1932 die Geschichte der Hochfrequenzmesstechnik geprägt. Die Hochfrequenzmesstechnik steckte Anfang der 1930er Jahre noch in den Kinderschuhen. Zwar wurde schon seit mehr als zehn Jahren systematisch zu Hochfrequenzmessgeräten geforscht, doch entwarfen und produzierten die meisten Firmen, die Geräte mit hochfrequenten Prozessen herstellten, die erforderlichen Messmittel für die Prüfung ihrer Produkte oder deren Bauteile selbst.

In den Labors der Universitäten und Firmen, in den Prüffeldern der Unternehmen agierten wahre Messkünstler, die trotz improvisierter und unvollkommener Mittel bei Abschätzung der Fehlermöglichkeiten brauchbare Messergebnisse erzielten. Die Ingenieure Dr. Lothar Rohde und Dr. Hermann Schwarz wollten diese „Messkünstler“ durch pragmatische Präzisionsgeräte ersetzen. Das war die Geburtsstunde und gleichzeitig die Geschäftsidee, ein Labor, um für die großen Elektronikfirmen Entwicklungsaufgaben zu übernehmen.

Das erste Messgerät war ein Interferenzwellenmesser

Ihr allererstes Messgerät entwickelten die Ingenieure Dr. Lothar Rohde und Dr. Hermann Schwarz bereits 1932, also noch bevor sie ihre Firma gründeten – für die Hermsdorf-Schomburg-Isolatoren-Gesellschaft, kurz Hescho. Die Idee kam, als sie von neuen keramischen Werkstoffen hörten, die in der Hochfrequenz sehr niedrige dielektrische Verluste aufwiesen. Verschiedene in- und ausländische Institute, die Hescho beauftragt hatte, hatten jedoch unterschiedliche Verlustfaktoren gemessen.

Das nahmen die beiden Entwickler zum Anlass, eine Versuchsanordnung zu entwickeln, die nach kurzer Zeit genaueste Messergebnisse lieferte. Es handelte sich dabei um einen Interferenzwellenmesser mit Wellenlängen von 6 bis 3600 m. Es war außerdem das erste Messgerät für keramische Hochfrequenz-Bauteile. Der Kontakt zu Hescho blieb auch in den nächsten Jahren erhalten und erleichterte den beiden Doktoren die Firmengründung.

Im Jahr 1933 gründeten Dr. Rohde und Dr. Schwarz das „Physikalisch-Technische Entwicklungslabor (PTE)“ in einer Wohnung mit 120 m². Diese Wohnung mieteten sie im Sommer 1933 in der Münchner Thierschstraße 36 im Stadtteil Lehel an, um dort ein elektrotechnisches Labor einzurichten. Am 17. November folgte die Registrierung des „Physikalisch-technischen Entwicklungslabors Dr. L. Rohde und Dr. H. Schwarz“ beim Registergericht München.

Den heutigen Firmennamen Rohde & Schwarz gibt es seit 1945. Das PTE spezialisierte sich auf die Entwicklung von Messgeräten. Ihr Wissen über ihre Messgeräteforschungen veröffentlichten Rohde & Schwarz in verschiedenen Fachzeitschriften. Darauf wurden Auftraggeber aufmerksam, die an den Geräten interessiert waren.

Große Elektronikfirmen beauftragten das Labor schnell mit der Konzeption von Messgeräten. Kunden waren in diesen Jahren neben großen deutschen Elektronikkonzernen verschiedene Behörden. Das PTE belieferte unter anderem Hersteller von Radios und Hörfunk-Sendern sowie Rundfunkanstalten mit Messtechnik und profitierte von der rasanten Entwicklung im Hörfunk. In den 1920er Jahren wurden die ersten Sendungen ausgestrahlt, die Zahl der Radiohörer nahm stetig zu.

Die Produkte des PTE zeichneten sich von Beginn an durch Genauigkeit und eine einfache Bedienung aus. Die erste Entwicklung nach Firmengründung war der der Allwellenfrequenzmesser WIP, ein sehr erfolgreiches Gerät, das mehr als 20 Jahre lang weltweit verkauft wurde. Auch dieses Gerät basierte noch auf Forschungen von Rohde & Schwarz zu ihrer Universitätszeit. Der Allwellenfrequenzmesser WIP deckte einen Messbereich von 50 bis 50.000 kHz ab, was zu der damaligen Zeit als Hochfrequenz galt. Das Gerät wurde für Laboratoriumsaufgaben und Prüfzwecke für betriebliche Untersuchungen verwendet.

Auch zur Eichung von Sendern und Empfängern war ein Frequenzmesser nötig, der rasch und einfach Messungen geringerer oder auch sehr hoher Genauigkeit erlaubte. Eine Besonderheit war die Aufteilung der Messungen in eine Grobmessung und eine Feinmessung. Die Grobmessung war direkt ablesbar. Sie hatte eine Genauigkeit von ±0,8%. Die Feinmessung erfolgte durch einen zusätzlichen Oberwellenvergleich mit einem direkt geeichten Hilfssender, hier lag die Genauigkeit bei beachtlichen ±0,005%.

Inhalt des Artikels:

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44080827 / Rohde & Schwarz)