Interview mit Falk Senger

Vernetzte Welten – aber sicher

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München: Die Elektronik gewinnt weltweit an Bedeutung, gerade auch durch die fortschreitende Digitalisierung. Damit werden internationale Begegnungsplattformen wie die electronica immer wichtiger. Sie ermöglichen Fachleuten aus allen Ländern, sich direkt auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München: Die Elektronik gewinnt weltweit an Bedeutung, gerade auch durch die fortschreitende Digitalisierung. Damit werden internationale Begegnungsplattformen wie die electronica immer wichtiger. Sie ermöglichen Fachleuten aus allen Ländern, sich direkt auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. (Bild: Messe München)

Wie das Internet der Dinge die Elektronikbranche revolutioniert, zeigte die Messe electronica. Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München, über die Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels.

Nur wenn es gelingt, ausgereifte Sicherheitslösungen für das Internet of Things zu entwickeln, werden Smart Grids die Energiewende vorantreiben und vernetze Autos auf den Straßen fahren. Unter dem Motto „Vernetzte Welten – aber sicher!“ zeigte die electronica, Weltleitmesse für Komponenten, Systeme und Anwendungen der Elektronik, im November 2016 in München, wie Digitalisierung und Vernetzung den Alltag der Menschen neu gestalten. Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München, spricht mit ELEKTRONIKPRAXIS über die Chancen und Aufgabenstellungen der digitalen Transformation für die Gesellschaft und die Elektronikindustrie und erklärt, wie eine internationale Fachmesse als Begegnungsplattform die Entwicklung unterstützen kann.

Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf die electronica bzw. auf die Elektronikbranche aus?

Die Elektronikbranche ist Systemlieferant und Triebfeder des digitalen Wandels. Die digitale Transformation bietet große Chancen für die Gesellschaft und enorme Wachstumspotenziale für die Elektronikindustrie in Leitmärkten wie Smart Car, Smart Home, Smart Factory, Smart City oder Smart Grid aber auch E-Health und Medizinelektronik. Bei sämtlichen Lösungen nehmen Elektronik und Mikroelektronik Schlüsselrollen ein. Die Software in einem Oberklassefahrzeug, beispielsweise, besteht bereits heute aus rund 10 Millionen Code-Zeilen.

Der Markt wächst rasant. Bis zum Jahr 2020 soll die Anzahl der mit dem Internet verbundenen Geräte auf 28 Milliarden steigen, schätzt die Investmentbank Goldman Sachs. Cisco prognostiziert zum gleichen Zeitpunkt sogar 50 Milliarden Geräte – 2015 waren es noch 4,9 Milliarden.

Im vergangenen Jahr zeigte die Weltleitmesse electronica eindrucksvoll, wie sich unsere Lebenswelten vernetzen. Die Digitalisierung und das Internet der Dinge verändern unser Leben, unsere Arbeit und die Art und Weise, wie wir kommunizieren. Die Frage nach der Sicherheit der Systeme wird dabei immer drängender. Je mehr sensible Daten über das IoT versendet werden, desto größer ist das Risiko, dass sie ausgespäht, manipuliert oder gestohlen werden. Die Vernetzung der Welt und die Sicherheit der Systeme müssen im gleichen Tempo voranschreiten. Das Thema Sicherheit war auf der electronica so auch zentraler Gegenstand des CEO Roundtables und Schwerpunkt der Ausstellung sowie der Vorträge auf den messebegleitenden Konferenzen und Foren.

Safety und Security gelten als technologische Treiber in einer zunehmend vernetzten Welt. Was bedeutet das für die Branche?

Unsere Welt vernetzt sich in rasantem Tempo. Das erleichtert unseren Alltag in vielerlei Hinsicht. So können wir mit unseren Smartphones bereits das Auto öffnen, die Heizung regulieren und Einkäufe bezahlen. Die zunehmende Vernetzung unterschiedlicher Systeme bringt aber auch enorme Herausforderungen mit sich. Das Risiko von Cyberattacken auf Rechner, Smart Homes, Autos und vernetzte Industrieanlagen ist allgegenwärtig. Für den Markterfolg intelligenter Produkte ist deren Sicherheit ein ausschlaggebender Faktor. Sie ist die Grundvoraussetzung für sämtliche Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren, medizinische Wearables, Smart Factory, Smart City oder Smart Grid. Unter dem Motto „Vernetzte Welten – aber sicher“ präsentierte die globale Elektronik­industrie auf der electronica deshalb sichere und zukunftsweisende Lösungen.

Die rasante Entstehung smarter Technologien und Anwendungen macht es unumgänglich, dass neue Security-Lösungen mit dieser Entwicklung Schritt halten. IT-Sicherheit muss von Anfang an bei der Produktentwicklung „mitgedacht“ werden. Security by Design und die Entwicklung vertrauenswürdiger Identitäten und Infrastrukturen gehören zu wichtigen Handlungsfeldern. Dabei ist die Industrie einerseits gefordert, sichere Produkte zu entwickeln. Andererseits muss sie aber auch den Verbraucher dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, die Geräte sicher zu verwalten. Jeder einzelne User steht in der Pflicht, selbst Verantwortung für seine Daten zu übernehmen. Denn auch unser Nutzungsverhalten bestimmt, wie sicher letztlich eine Lösung ist.

Dass Sicherheit bei vernetzten Geräten essenziell ist, rückt zunehmend in das Bewusstsein der Verbraucher, wie das Ergebnis des electronica Trend-Index zeigt. Im Rahmen der Studie wurden 7.000 Teilnehmer weltweit befragt. Auf Datenschutz setzen am stärksten die Deutschen. Drei Viertel der Bundesbürger fordern, dass vernetzte elektronische Geräte sich eigenständig mit Sicherheits-Updates versorgen. Beim vernetzten Heim wägen die Deutschen zwischen Komfort und Sicherheit ab. Derzeit wollen nur 48 Prozent den Öffnungsstatus von Fenstern und Türen von unterwegs prüfen können und nur jeder Zweite hat Interesse an der Fernsteuerung seiner Heimgeräte. Ähnlich kritisch sehen das die Franzosen und Briten. Hochsensibel zeigen sich die Deutschen auch beim Umgang mit personenbezogenen Daten im medizinischen Bereich: 76 Prozent der Befragten fordern einen hocheffizienten Schutz der Patientendaten. Wenn es um der Deutschen liebstes Kind – das Auto – geht, steigt die Akzeptanz der Datenübertragung merklich: 69 Prozent der Bundesbürger wollen, dass das Auto seine Positionsdaten an die Polizei übermittelt, wenn jemand versucht, es zu stehlen.

Wie bedeutend ist das Internet der Dinge für die electronica bzw. die Elektronikbranche und wie unterstützen Sie technologisch diese Entwicklung?

Das Internet of Things war im Jahr 2016 zentrales Thema der Messe. Wie ein roter Faden zog es sich durch das gesamte Programm, etwa auf dem CEO Roundtable und bei Podiumsdiskussionen. Das IoT ist der Wachstumsmarkt. Die Chancen für die Elektronikindustrie sind enorm.

Dem Industrial Internet of Things (IIoT) haben wir ein eigenes Forum gewidmet. Im IIoT übermittelte Daten sind generell kritisch für den Betrieb eines Unternehmens. So können sie etwa sensible Informationen zu Produktionsanlagen oder Finanzinformationen enthalten. Eine Schlüsselrolle kommt also der Frage nach der Sicherheit zu. Zudem erfordern die verschiedenen IIoT-Anwendungen geeignete Drahtlostechnologien – von Wifi und Bluetooth über ZigBee und ZigBee Green Power bis hin zu Low Power Wide Area Networks (LPWANs). Zu den Herausforderungen gehören auch die Weiterentwicklung von Mikroprozessoren, industriellen Echtzeit-Betriebssystemen und energieeffizienten Sensoren. In der digitalen Fabrik wird sich die komplette Architektur industrieller Systeme verändern, denn sie muss digitale Herstellungsprozesse unterstützen. Wir als Messe werden diesen Entwicklungen weiter Rechnung tragen und IoT-Themen in der Ausstellung sowie im Konferenz- und Rahmenprogramm auch in Zukunft aktiv begleiten.

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