50 Jahre Fairchild Semiconductor

The Shockley Eight - Unternehmer wider Willen

| Redakteur: Gerd Kucera

The Shockley Eight: Gordon Moore, Sheldon Roberts, Eugene Kleiner, Robert Noyce, Victor Grinich, Julius Blank, Jean Hoerni und Jay Last (v.l.n.r.)
The Shockley Eight: Gordon Moore, Sheldon Roberts, Eugene Kleiner, Robert Noyce, Victor Grinich, Julius Blank, Jean Hoerni und Jay Last (v.l.n.r.) (Bild: Fairchild Semiconductor)

Vor genau einem halben Jahrhundert verließen die so genannten  „verrräterischen Acht“ ihren Chef William Shockley und dessen Shockley Semiconductor Laboratories. Die Meinungsverschiedenheiten waren nicht mehr auszuräumen. Die hochtalentierten Wissenschaftler verfolgten ab sofort ihre Ziele auf eigene Rechnung: Fairchild Semiconductor war geboren.

Die Wurzeln der Fairchild-Story reichen bis in die 40er-Jahre zurück. William Shockley, John Bardeen und Walter Brattain hatten damals bereits in den AT&T Bell Laboratories den Transistor erfunden, den sie dann gemeinsam 1947 der Öffentlichkeit präsentierten. Bardeen und Brattain brachten den Point-Contact-Transistor Ende 1948 zur Serienreife, während sich Shockley auf eine Junction- Variante konzentrierte.

Von seiner Weiterentwicklung derart überzeugt, verließ dieser die Bell Labs, um 1955 im Santa Clara Valley die Shockley Semiconductor Laboratories aufzubauen. Er rekrutierte zwölf junge Wissenschaftler, die sich der Verwendung von Germanium und Silizium zur Transistorherstellung widmen sollten.

Zukunftsperspektiven - PNPN-Diode versus Transistor

Zwar erhielt Shockley, zusammen mit Bardeen und Brattain, für die gemeinsame Innovation 1956 den Nobelpreis in Physik, aber Shockleys Begeisterung für die reine Forschung war nicht mehr die- selbe. Und auch sein Management-Stil fand mittlerweile nicht mehr ungeteilten Beifall. Bald hatte Shockley das Vertrauen in seine Mitarbeiter verloren. So durfte im Labor nichts mehr ohne sein Wissen geschehen. Erste Anzeichen von übersteigerter Überwachungsmentalität tauchten auf, als Shockley glaubte, die AT&T-Kollegen Bardeen und Brattain wollten ihn ausbooten. Bei der örtlichen Polizei ersuchte er später sogar um Auskunft über seine Angestellten.

Schließlich glaubte Shockley, die Zukunft läge in der Entwicklung einer Vierlagen-Diode (PNPN-Diode), die schneller und vielseitiger sei als ein Transistor. Ein Jahr nach dem Start seiner Firma hatte Shockley kein vermarktungsfähiges Produkt, wohl aber eine verärgerte Belegschaft.

Mit dem Planartransistor entsteht eine ganz neue Industrie

Als Gordon Moore, Sheldon Roberts, Eugene Kleiner, Robert Noyce, Victor Grinich, Julius Blank, Jean Hoerni und Jay Last (8 der 12 rekrutierten Wissenschaftler, siehe Gruppenfoto v.l.n.r.) sich mit ihrem Chef wohl auch hinsichtlich der Produktlinie überwarfen, verließen sie kurzerhand das Unternehmen und steckten 4000 US-$ Erspartes in die Entwicklung einer eigenen Methode zur Massenfertigung von Siliziumtransistoren. Unter Verwendung einer Diffusionstechnik und eines chemischen Ätzverfahrens sollten mehrere Mesatransistoren auf einem einzelnen Wafer herstellbar sein (bis dato konnten Point-Contact-Transistoren nur einzeln gefertigt werden). Das technische Potenzial solcher Mesatransistoren war enorm, wie sich zeigte, verlangte aber auch hohe Investitionen.

"Technologie-Transfer" in einem Brillo-Putzmittelkarton

Mit dem Planartransistor entsteht eine ganz neue Industrie Der Fotografie-Pionier Fairchild Camera and Instrument Corporation (er gehörte dem Multi-Entrepreneur Sherman Fairchild) investierte 1,5 Mio. US-$ in diese Idee unter der Voraussetzung, eine Option zum Kauf der Firma zu erhalten. So startete am 1. Oktober 1957 die Fairchild Semiconductor mit dem Ziel der Entwicklung und Fertigung diffundierter Siliziumtransistoren und anderer Halbleiter.

In nur 6 Monaten war die Firma der „Shockley-Eight“ profitabel. Nicht zuletzt aufgrund einer Bestellung von 100 Transistoren zum Preis von 150 US-$ das Stück durch die International Business Machines Corporation. Jay Last verpackte die Order in einen Putzmittelkarton des Herstellers Brillo, den er sich vom Supermarkt um die Ecke besorgte. Ab 1959 nutzte IBM die neue Technologie in ihren aktuellen Entwicklungen und ersetzte Vakuumröhren durch Transistoren.

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