Technologie-Ausblick von Rohde & Schwarz

„Software übernimmt immer mehr Messtechnik-Funktionen“

| Redakteur: Hendrik Härter

Safety und Security gelten als technologische Treiber in einer vernetzten Welt. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wir erwarten auf jeden Fall gesteigerte Bemühungen um die Sicherheit in der Kommunikationstechnik. Wobei es nicht darum geht, ein Sicherheitsmessgerät zu entwickeln, das mit einer roten oder grünen Lampe anzeigen kann, ob etwas sicher ist oder nicht. Dazu sind die Zusammenhänge zu komplex und die Randbedingungen und Bedrohungen ändern sich zu schnell.

Die Messtechnikindustrie kann aber Werkzeuge bereitstellen, die eine Sicherheitsanalyse erleichtern. So interessieren sich Netzbetreiber und IT-Sicherheitsverantwortliche beispielsweise dafür, was Apps auf einem Smartphone so treiben. Sie wollen wissen, mit welchen Servern und Services sich die Apps verbinden und welche Daten sie übertragen. Solche Anwendungen gehen zwar über den klassischen Markt der Funkmesstechnik hinaus, werden aber sicherlich in Zukunft wichtiger.

Wir bieten bereits entsprechende Lösungen an, in die übrigens das umfassende Know-how unserer Sicherheitssparte eingeflossen ist. Rohde & Schwarz ist ja bereits seit über 20 Jahren in der vertrauenswürdigen IT-Sicherheit aktiv. Mittlerweile wurden die Aktivitäten unter dem Dach der Rohde & Schwarz Cybersecurity gebündelt. Die oben angesprochenen Messanwendungen sind ein gutes Beispiel, wie wir Synergien zwischen den Bereichen nutzen können.

Welche besonderen technologischen Herausforderungen sehen Sie in der HF-Messtechnik?

Ein Thema, das uns die nächsten Jahre beschäftigen wird, ist sicherlich 5G. Die fünfte Mobilfunkgeneration befindet sich zurzeit vor allem in der Marketingphase und noch nicht in der technologischen Realisierung. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, wie die Ziele von 5G erreicht werden sollen.

Technologisch geht es sowohl um die Übertragung großer Datenraten und Bandbreiten als auch um sehr geringe Latenzzeiten. Als Messtechnikhersteller muss man einerseits das implementieren, was die Standardisierungsgremien festschreiben. Anderseits wollen wir natürlich auch in der Phase unterstützen, bevor die Standards festgelegt werden. Deshalb sehe ich unsere Herausforderung auch darin, innovative Messtechnik für die Forschung zu entwickeln. Wir verfügen für diesen Bereich schon heute über Messgeräte, die 85 GHz beherrschen.

Wir gehen davon aus, dass in 5G-Techniken mehr Anwendungen implementiert werden, als das, was heute in Mobilfunknetzen möglich ist. Ein Bespiel ist die Car-to-X-Kommunikation im Automotive-Bereich. Hier werden sehr geringe Latenzzeiten benötigt, etwa wenn ein Auto seiner Umgebung mitteilen will, dass es gerade bremst. Entweder müssen dann Fahrzeuge direkt miteinander kommunizieren. Oder der Netzbetreiber stellt einen Kanal bereit, der dies schnell genug kann. Dafür sind Messtechnik-Lösungen gefragt, die realistische Umgebungsbedingungen, beispielsweise Fading, abbilden und testen können.

Wie bedeutend ist das Internet der Dinge für Ihr Unternehmen und wie unterstützen Sie technologisch diese Entwicklung?

Das Internet of Things und die Machine-to-Machine-Kommunikation werden den Messtechnikmarkt sicherlich beeinflussen. Die Module, die für IoT-Anwendungen zum Einsatz kommen, beruhen vielfach auf Techniken, die bereits heute verfügbar sind und eingesetzt werden. GSM ist beispielsweise noch stark verbreitet. Auch im LTE-Standard ist die direkte Verbindung zwischen Endgeräten bereits vorgesehen. Wenn sich aber sehr viele Geräte in einer Zelle befinden und ständig kleinste Datenpakete senden wollen, ist das mit der heutigen technischen Möglichkeiten nicht optimal realisierbar.

Unserer Meinung nach wird 5G hier zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Weitere Anforderungen kommen von den ganzen unterschiedlichen Sensoren, die für IoT-Anwendungen zum Einsatz kommen. Bei ihnen ist ein geringer Leistungsverbrauch relevant, so dass Batterien mehrere Jahre halten. Außerdem muss sichergestellt sein, dass mit sehr vielen Sensoren in der Funkzelle gleichzeitig Kontakt gehalten werden kann, ohne deren Kapazität übermäßig zu beanspruchen. Auch hier erwarten wir uns Impulse für die Messtechnik.

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