Technologie-Ausblick von Rohde & Schwarz

„Software übernimmt immer mehr Messtechnik-Funktionen“

| Redakteur: Hendrik Härter

Mit neuen Kundenanforderungen wird sich auch das benötigte Know-how verändern. Wie stellen Sie sich hier personell für die Zukunft auf?

Grundsätzlich lässt sich beobachten, dass sich die Grenzen in der Entwicklung verschieben. Der Anteil Hardware zu Software hat sich in den letzten Jahren stark verändert. So wird Fachwissen über Softwareentwicklung und deren Methoden immer wichtiger. Ein tiefgreifendes Fachwissen ist auch weiterhin eine wichtige Anforderung an künftige Bewerber, aber in Zeiten des ständigen Wandels und des technologischen Fortschritts ist auch dieses Wissen schnell veraltet. Daher rücken die persönlichen Kompetenzen und Methoden der Kandidaten mehr denn je in den Vordergrund. Fähigkeiten wie Veränderungsbereitschaft, den Willen sich ständig weiterzubilden, Flexibilität oder ausgeprägte analytische Fähigkeiten sind wichtiger als je zuvor.

Welche allgemeinen technischen Trends sehen Sie in der Industrie?

In der Regel ist Messtechnik viele Jahre im Einsatz. Sie folgt also eher einigen langfristigen Trends, natürlich stark beeinflusst von den beschriebenen Kundenerwartungen. Messtechnik wird immer kompakter. Die eigentliche physikalische Messfunktion benötigt immer weniger Platz und ermöglicht kleine, handliche und transportable Geräte. Die Bedien- und Auswertefunktionen werden oft in einen externen Rechner, zum Beispiel einen PC, ausgelagert. Da die PC-Welt einen höheren Innovationstakt besitzt als die klassische Messtechnik, kann man somit die Leistungsfähigkeit und die Lebensdauer eines Messgeräts erhöhen. Das ist dort sinnvoll, wo es auf Geschwindigkeit und automatisierte Abläufe ankommt, etwa in der Produktion.

Ein anderer Effekt der kompakten Messtechnik ist, dass der Handheld-Markt an Bedeutung zunimmt. Das liegt vor allem daran, dass die technische Performance der Handhelds zunimmt und somit die Grenzen zwischen Labormessgerät und Handheld verwischen. Weitere Fortschritte in der Miniaturisierung und dem Leistungsverbrauch der Bauelemente sowie der verbesserten Akku-Technik unterstützen diesen Trend.

Wir gehen auch davon aus, dass Messgeräte immer mehr Funktionen bekommen. So gibt es heute Oszilloskope, die einen Puls- oder Waveform-Generator enthalten oder über FFT einfache Aufgaben der Spektrumanalyse übernehmen. Andere Messgeräte wie Vektornetzwerkanalysatoren können nun auch Spektrum und Modulation messen. Dieser Trend wird sich verstärken. In Sachen Bedienbarkeit geben Consumer-Geräte weiterhin die Richtung vor. Nicht alle Konzepte sind bei Messgeräten sinnvoll einsetzbar, klar ist aber, dass für die Darstellung von Messkurven und Messwerten ein hochauflösender brillanter Bildschirm von Vorteil ist. Eine intuitive Bedienung unterstützen innovative Touch- und Multitouch-Konzepte, wie sie Anwender schon von Tablets und Smartphones kennen. Solche Bedienkonzepte sind nicht mehr nur High-End-Messgeräten vorbehalten.

Der technologische Fortschritt hat auch Auswirkung auf die Gestaltung von Messsystemen. Viele Anwendungen, für die ein Standardmessgerät nicht ausreicht, werden zunehmend – statt als große Schränke in 19''-Technik – in kleinerem Formfaktor in modularer Messtechnik realisiert. Aber auch die Module werden immer kleiner. Und da man versucht, den mechanischen Overhead wie Stecker oder Backplane zu vermeiden, wird immer mehr Funktionalität auf einem Modul untergebracht werden. Der Trend geht also eher weg vom „Lego-Konzept“, bei dem sich viele Module zu einem Ganzen zusammenfügen, hin zum „Software defined Instrument on a Board“.

Wie sehen Sie die Verlagerung von Hardware zu Software und was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Die Funktionalität heutiger Messgeräte wird bereits in starkem Maße von der Software bestimmt. Immer wieder wird gemutmaßt, dass in Zukunft nur noch eine einfache universelle Hardware wie ein D/A- oder A/D-Wandlermodul benötigt wird und die Software den Rest übernimmt. Das ist sicherlich eine zu einfache Darstellung, da für viele Messmethoden so nicht die nötige Performance erreicht werden kann.

Trotzdem ist anzunehmen, dass die Entwicklung anhält und immer mehr Funktionen statt per Hardware in Software realisiert werden. So lässt sich in einem Gerät ein Leistungsspektrum anbieten, für das man in der Vergangenheit mehrere Einzelgeräte verwenden musste. Dieser Trend zum sogenannten „Swiss Army Knife“ wird sich insbesondere im unteren Preissegment fortsetzen.

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