EDA

Shooting Star Joseph B. Costello

| Redakteur: Gerd Kucera

Ein Bild von einem Manager: Joseph Ball Costello, schon mit 34 Jahren auf dem Presidenten-Stuhl von Cadence. Innerhalb von fünf Jahren führte er das Unternehmen an die Spitze in Sachen IC-Entwicklungstools.
Ein Bild von einem Manager: Joseph Ball Costello, schon mit 34 Jahren auf dem Presidenten-Stuhl von Cadence. Innerhalb von fünf Jahren führte er das Unternehmen an die Spitze in Sachen IC-Entwicklungstools. (Bild: Gerd Kucera)

Wahrscheinlich hätte Joseph B. Costello, ausgestattet mit einem messerscharfen Verstand und dem Hang zur theoretischen Mathematik, überall Karriere gemacht. Am Ende landete er in der Elektronikbranche, wurde dort von einem Mentor zu EDA bekehrt und führte schließlich als President eine Firma in Sachen IC-Entwicklungstools an die Weltspitze.

Für Reden braucht er kein Manuskript. Joseph B. Costello weiß auch so, was er sagen will. "Managing the Gateexplosion in the 90th" lautet diesmal sein Thema, das der Cadence-President anlässlich 1993 der DAC in Dallas während einer Podiumsdiskussion aufgreift. In der für ihn typischen Art: humorvoll, aber ernst und prägnant in der Sache, smart, aber fesselnd und einnehmend in der Darstellung. Rhetorische Finessen, die manch andere Manager sich vielleicht mühsam in Kursen anzueignen versuchen, sind bei ihm, das merkt man, nicht aufgesetzt, sie kommen direkt aus seinem messerscharfen Denken und aus seinem Handeln. Costello meint, was er sagt.

Wer ihn bei einer seiner Reden einmal erlebt hat, wundert sich nicht, dass der 39-jährige Amerikaner, geboren in einem Dorf in Connecticut, bisher ein ungewöhnliches Karriere-Tempo vorgelegt hat. Ungewöhnlich selbst in der von Rasanz geprägten Elektronikbranche. Bereits als 34-jähriger hatte er den Posten President und CEO des EDA-Softwarehauses Cadence übernommen. Das US-Unternehmen boxte sich unter seiner Ägide in relativ kurzer Zeit ganz nach vorne und ist heute weltweit die Nummer I in Sachen IC-Entwicklungstools.

Dass Costello ausgerechnet in der Halbleiterbranche Karriere macht, kommt nicht von ungefähr. Von kleinen Strukturen war Costello schon als Kind fasziniert. Als Dreikäsehoch hatte er sich auf Atomwissenschaftler festgelegt, mit 14 faszinierte ihn die Archäologie. Was ihn aber vor allem fesselte, war das Lösen komplexer Mathematikaufgaben.

"Dass man so etwas zum Beruf machen kann und auch noch Geld für eine solche tolle und einfache Sache bekommt, fand ich als Jugendlicher einfach unglaublich", erinnert sich Costello. Dem pragmatischen Vater, Chefeinkäufer bei GM, waren die theoretischen Höhenflüge seines begabten Jungen indes nicht ganz geheuer. Er machte dem Knaben schon sehr früh klar, dass er nur eine Ingenieur-Ausbildung finanzieren würde. "Den Wink habe ich damals schon verstanden", schmunzelt Costello, "jedenfalls habe ich, nach einem ersten Mathematik-Diplom, an der Yale­ und Berkeley-Universität zwei Masters Degrees in Physik erworben."

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Der väterliche Einfluss war indes noch viel tiefgreifender. Im Hause Costello waren hochrangige Manager oft gesehene Gäste und für den kleinen Joe ein selbstverständlicher Umgang ohne Berührungsscheu. Außerdem lebte ihm sein individualistischer Vater eindringlich vor, dass es im Leben nur die Grenzen gibt, die man sich selber setzt.

Derart konditioniert kam für Joe Costello schon während des Studiums die erste Ablenkung, die ihn auf die Bahn bringen sollte, die er bis heute nicht mehr verlassen hat. Während seiner Studienzeit in Berkeley in den siebziger Jahren war es in der amerikanischen Halbleiterbranche spannend geworden. Dass damals in der Mikroprozessorwelt revolutionäre Fortschritte einsetzten, entging auch dem aufgeweckten Studenten Costello nicht. Neugierig geworden auf ein für ihn damals völlig unbekanntes Terrain beschloss er, sich einen Sommer lang in der einschlägigen Industrie umzuschauen. Er landete in der Mikroprozessorgruppe bei National Semiconductor. Der Job gefiel ihm so gut, dass er die Schule vorerst sausen ließ und gleich ein paar Jahre bei NSC blieb.

Danach wollte er seinen Doktor in Physik machen, das dazu nötige Geld sollte eine eigene Firma für Energiesparkonzepte bringen. Weil nach der Regierungsamtsablösung von Carter durch Reagan für solche Vorhaben wenig Erfolgsaussichten bestanden, kam Costello der Anruf eines vormaligen Mitarbeiters bei NSC sehr gelegen. Der suchte einen Mann für das Gebiet Sprachsynthese und -erkennung. Am Ende bekam Costello bei NSC einen Manager­Job mit Teilverantwortung für die Sprachsynthesegruppe von Jim Solomon - einem Mann, der später so bedeutsam für Costello werden sollte, wie beide das zu dem Zeitpunkt freilich noch nicht ahnen konnten.

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