PC-Messtechnik

"Ride the Tiger"

| Redakteur: Hendrik Härter

Dr. James Truchard (hinten) und Jeff Kodosky gründeten das PC-Messtechnikunternehmen National Instruments.
Dr. James Truchard (hinten) und Jeff Kodosky gründeten das PC-Messtechnikunternehmen National Instruments. (Bild: NI)

Wie Microsoft-Gründer Bill Gates hat der amerikanische PC-Messtechnikspezialist National Instruments in einer Garage angefangen. Heute ist der Hersteller mit Stammsitz in Austin, Texas, in der Welt der PC-Messtechnik das, was Microsoft in der PC-Welt ist.

„Die Geschichte von NI beginnt sowohl bei der Hard- als auch bei der Software. Hardwareseitig im Bereich der Messgeräte, Steuerung über die GPIB- bzw. IEC-Busschnittstelle. Softwareseitig startet sie bei der grafischen Programmiersprache“, sagt Rahman Jamal, Technischer & Marketing Direktor und Prokurist bei National Instruments.

Damals hatten die Firmengründer Dr. James Truchard und Jeff Kodosky – beide noch an der „University of Texas“ tätig – beruflich eine Herausforderung im Bereich der Unterwasserakustik zu meistern. Es ging darum, ein Messgerät über ein Rechnersystem zu steuern. Die Ingenieure dachten an eine Lösung, die „die ganze Messtechnik oder Testerei irgendwie vereinfachen könnte“. Es gab zwar bereits die GPIB-Karte, um Messgeräte zu steuern, es existierte aber noch keine anwenderfreundliche Software, um Daten zwischen Messgerät und Rechner transparent auszutauschen.

„Wir haben von Anfang an auf den Personal Computer gesetzt, weil wir ahnten, dass er im Galopp den Markt umkrempeln wird. Wir mussten diesen ‚wilden Tiger’ einfach entsprechend zähmen, also ‚Ride the Tiger’ – egal, wie schnell oder wohin sich dieser auch bewegt“, erläutert Jamal.

Statt sich um völlig neue Dinge Gedanken zu machen, die letztlich zu proprietären Lösungen führen würden, sah das junge Unternehmen die Chance, Rechnerleistung und Schnittstellen, die aus dem kommerziellen Bereich kamen, und Betriebssysteme zu nutzen und diese Dinge für die Mess- und Automatisierungstechnik verwertbar zu machen.

„Diese Philosophie, den Rechner als Fundament zu nehmen, ist die Erfolgsgeschichte unseres Hauses“, sagt Jamal.

Anfangs nur für den Apple Mac konzipiert

Die ersten PC-Messkarten stellte das Unternehmen für den Macintosh-Rechner vor, weil sich die Karten beim Mac einfach einstecken ließen und vom System erkannt wurden. „Allerdings war der Mac kein offenes PC-System, also keine offene Plattform, weil Hardware und Software von ein und demselben Hersteller (Apple) kamen. Mit Phänomenen wie Plug & Play, dem grafischen Betriebssystem und anderem war der Mac seiner Zeit weit voraus. Nicht zufällig haben wir von Anfang an auf diese innovative Plattform gesetzt“, erklärt der Prokurist.

Erster Meilenstein des Unternehmens war die „mainstreamfähige“ IEC-Buskarte bzw. hat der Hersteller diesen Standard salonfähig gemacht.

Bereits 1986 präsentierte der Hersteller die erste LabVIEW-Version. Konstruiert hatten die NI-Ingenieure die grafische Programmierumgebung zunächst ebenfalls für den Mac, weil der Intel-basierte PC, später der Windows-PC, noch nicht die gleichen grafischen Möglichkeiten bot.

Das LabVIEW-Konzept baute auf die Messgerätemetapher auf und ermöglichte erstmalig, den PC zu einem Messsystem umzuwandeln. Damit hatte das Unternehmen die Messtechnikwelt revolutioniert. Denn spätestens von diesem Zeitpunkt an konnte der Messtechniker ein Messsystem in Form eines virtuellen Messgerätes oder Instruments umsetzen und anders als bei einem Stand-alone-Gerät das Messinstrument selbst nach den persönlichen Wünschen zusammenstellen.

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