Interview Albert Hanselmann

Kundenanforderungen und Trends in der Messtechnik

| Redakteur: Hendrik Härter

Wie verändern sich derzeit die Kundenwünsche und wie könnten sich diese mittel-/langfristig entwickeln?

Alles muss sehr schnell gehen. Unsere Kunden stehen unter einem enormen Zeitdruck, um Entwicklungen termingerecht zu realisieren. Die Anzahl an Partnern, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten, soll möglichst klein sein. Bei Bedarf muss sehr schnell eine kompetente technische Unterstützung zur Verfügung stehen. Es besteht ein recht großes Bedürfnis nach einer zielgerichteten, effizienten und technischen Weiterbildung, um den ständig neuen Anforderungen am Markt gerecht zu werden.

Gestiegen ist auch die Nachfrage nach anspruchsvollen Messungen, die nur selten durchgeführt werden, an einen externen Partner auszulagern. Die Messgeräte, die benutzt werden, sollen schnell detaillierte Resultate liefern für ganz spezifische Anwendungen. Zudem sollen sich die Messgräte einfach bedienen lassen sein und auch möglichst universell einsetzbar sein, damit die Auslastung möglichst hoch ist. Das Stichwort ist hier optimaler Einsatz der beschränkten Investitionsmittel. Diese und viele weitere Bedürfnisse fließen frühzeitig in unsere Planung ein, um auch in Zukunft der optimale Partner für unsere Kunden zu sein

Mit neuen Kundenanforderungen wird sich auch das benötigte Know-how verändern. Wie stellen Sie sich mit Ihren Unternehmen hier personell für die Zukunft auf?

Wichtige Themen für uns sind in diesem Zusammenhang die gut ausgebildeten und hochmotivierten Mitarbeiter, die über ein großes Know-how verfügen, im Unternehmen zu halten. Eine Zahl, die das sehr gut belegt: Bei Teledyne LeCroy sind die Angestellten durchschnittlich weit über 15 Jahre im Unternehmen tätig. Viele auch schon über 20 Jahre.

Wir haben das Applikationsteam in den letzten 12 Monaten verdoppelt und unseren spezialisierten technischen Direktvertrieb weiter ausgebaut. Durch Firmenzukäufe, wie beispielsweise Frontline, Quantum Data oder Austin Labs, haben wir weiteres Know-how und qualifiziertes Personal hinzugewonnen.

Welche allgemeinen technischen Trends sehen Sie in der Industrie und können Sie hierzu bitte Beispiele nennen?

Unsere Kunden sind in sehr viele unterschiedliche Anwendungen involviert und jede Anwendung hat ihren eigenen Trend. Wenn ich mich auf einige konzentrieren will, dann würde ich folgende hervorheben. Immer höhere Energieeffizienz oder anders ausgedrückt, weniger Energieverlust und damit auch weniger Abwärme, längere Laufzeiten bei Batterie-betriebenen Geräten, digitales Power-Management, Embedded Computing und nicht zu vergessen das autonome Fahren.

Aber auch Themen wie Cloud Computing mit Storage Networks spielt eine wichtige Rolle. Hinzu kommen immer mehr und vor allem verschiedene Busse, welche interagieren. Das Internet der Dinge und speziell Industrie 4.0. Hier müssen Daten drahtlos auf kurzen Distanzen übertragen werden. Deshalb wird die Zahl der Sensoren, die überall verbaut sind, weiter sehr stark zunehmen. Es muss Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung über möglichst günstige Leiter garantiert werden und auch die Interoperabilität unterschiedlicher Hardware muss gegeben sein.

Welche besonderen technologischen Herausforderungen sehen Sie bei den Oszilloskopen?

Ich sehe derzeit keine Herausforderung, die wir mit unseren Geräten und Entwicklungen und unserer mehr als 30-jährigen Erfahrung bei den Oszilloskopen nicht meistern können. Die größte Herausforderung, die wir täglich annehmen, ist das frühzeitige Erkennen von neuen Kundenbedürfnissen, um Lösungen zur richtigen Zeit unseren Kunden anbieten zu können. Dass wir hierzu in der Lage sind, haben wir in der Vergangenheit kontinuierlich unter Beweis gestellt und werden das auch in Zukunft tun.

Wie sehen Sie die Verlagerung von Hardware zu Software und was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Der physikalische Layer, also die Hardware, muss zuerst einmal sicher funktionieren, um anschließend die Applikationen auf dieser laufen zu lassen. Das Ausmessen und Debuggen mit Oszilloskopen wird also auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe unserer Messtechnik sein. Dazu gehört es allerdings, dass unsere Hardware sehr gute Arbeit leistet. Der Markt der Oszilloskope ist aber nicht mehr der Bereich mit den größten Wachstumsraten in der Messtechnik. Ganz anders sieht es da im Protokollanalyse-Markt aus. Dieser Geschäftsbereich, in dem wir Marktführer sind, wächst bei uns zweistellig. Aus diesem Grund profitieren wir sehr stark von der Verlagerung von Hardware- zu Softwarelösungen.

Safety und Security gelten als technologische Treiber in einer zunehmend vernetzten Welt. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Durch die sehr hohen Anforderungen bei Safety und Security sind unsere Kunden gezwungen, mehr und noch genauer zu messen. Ich nehme hier das extreme Beispiel des autonomen Fahrens. Es reicht nicht aus, sich einfach auf die Simulation zu verlassen. Die Hardware und die Software müssen bis ins kleinste Detail vermessen werden, um jegliche Probleme auszuschließen. Es gehört nicht einfach dazu, nur in der Entwicklungsphase ausgiebig zu messen. Vielmehr müssen die Entwickler über die ganze Produktionsdauer immer wieder Stichproben messen und ihre Daten überprüfen.

Oder nehmen wir ein weniger augenfälliges Beispiel aus der komplexen Welt der Bildverarbeitung. Wenn eine Kamera in der Produktion eingesetzt wird, um die Produktqualität zu garantieren, dann muss diese sehr einfach und zuverlässig funktionieren. Ansonsten können gegebenenfalls enorme Schadenersatzansprüche auf eine Firma zukommen. Messen ist und bleibt also wichtig und die Anforderungen werden eher noch weiter steigen.

Wie bedeutend ist das Internet der Dinge für Ihr Unternehmen und wie unterstützen Sie technologisch diese Entwicklung?

Schon heute ist in den meisten Geräten viel Elektronik integriert, das wird jetzt durch das sogenannte Internet der Dinge noch weiter beschleunigt. Wir bieten mit unseren Oszilloskopen und Protokollanalysatoren die notwendigen Werkzeuge, damit unsere Kunden und damit die Entwickler möglichst schnell und vor allem fehlerfrei funktionierende Produkte entwickeln und testen können.

Das Internet der Dinge erhöht natürlich auch zusätzlich die Menge an Daten, die übertragen werden müssen. Auch hier wird von Firmen wie Nokia und Oclaro viel und umfangreich entwickelt. Mit unseren Optical-Modulation-Analysatoren mit ihren Bandbreiten bis 70 GHz und Oszilloskopen mit Echtzeitbandbreiten bis 100 GHz sind wir auch hier bestens für die messtechnischen Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Unsere 100-GHz-Geräte hatten wir erstmals im Juli 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits im folgenden Jahr stellten wir das Gerät auf wichtigen Leitmessen aus. Die genannten Trends werden uns auch in Zukunft mit Arbeit versorgen. Damit bleibt es für uns und unsere Kunden spannend.

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