Jürgen Klohe: „Wir müssen uns auf noch mehr Komplexität einstellen“

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Sportliche Doppelspitze: Jürgen Klohe (links) und Jörg Murawski, Executive Vice Presidents der Würth-Gruppe.
Sportliche Doppelspitze: Jürgen Klohe (links) und Jörg Murawski, Executive Vice Presidents der Würth-Gruppe. (Bild: Würth Elektronik)

Industrie 4.0, Vernetzung, Internet of Things: Wie Würth Elektronik diesem Wandel begegnet, erzählen Jürgen Klohe und Jörg Murawski, Executive Vice Presidents der Würth Gruppe und Geschäftsbereichsleiter Würth Elektronik, im Interview zur Zukunft der Leiterplattentechnologie.

Industrie 4.0, Vernetzung, Internet of Things: Diesem Wandel begegnet Würth Elektronik mit neuen Strukturen und Investitionen – Würth sieht sich nicht nur im Bereich Maschinenpark als Vorreiter sondern setzt auch auf die (künftigen) Mitarbeiter.

Jörg Murawski und Jürgen Klohe, Executive Vice Presidents der Würth Gruppe und Geschäftsbereichsleiter Würth Elektronik, zeigen im Interview, wie Würth den Wandel mit intelligenten Lösungen mitgestaltet und dabei bodenständig und weltoffen bleibt.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen mittel-/langfristig in Ihrer Branche positioniert?

Jürgen Klohe: Ich sehe Würth Elektronik nicht nur gut, sondern sogar sehr gut positioniert. Wir haben drei Werke in Europa und können so vom Prototypen bis zur Serie die ganze Bandbreite anbieten. Wir können auf alle Möglichkeiten zugreifen, auch auf unser Werk in Asien. Wir haben darüber hinaus unsere Leiterplattenwerke spezialisiert. Wir haben technologisch das modernste Leiterplattenwerk hier in Niedernhall, ausgerichtet auf 3D. Alle unsere Produktionsstätten sind auf jeweils verschiedene Marktsegmente ausgerichtet. Das heißt, dass wir von der Entwicklung bis zum Serienauftrag in allen Größen, in allen Technologien, unsere Kunden unterstützen können.

Jörg Murawski: Was wir ebenfalls einbringen können, das sind unsere Mitarbeiter. Wir haben einiges an Investment getätigt, um unsere Mitarbeiter auszubilden. Ich weiß nicht, ob das ein Paradigmenwechsel ist. Aber wenn man von Industrie 4.0 und Automatisierung spricht, muss man auf neue Strukturen und neue Ausbildungen Wert legen.

Welche Branchen werden mittel-/langfristig eine stärkere Rolle in Ihrem Unternehmen spielen? Welche neuen Märkte und Anwendungsfelder wird Ihr Unternehmen künftig adressieren?

J. Murawski: Wir sind im Augenblick so gut aufgestellt, dass wir in alle Bereiche hineinliefern können. Unsere Werke haben sich auf die verschiedensten Marktsegmente und Zielmärkte fokussiert und haben dort jeweils ihre Stärken. Prozentual die stärksten Umsätze tätigen wir in dem Marktsegment, mit dem wir groß geworden sind, der Industrie. Wir haben Bestücker, die Automobilindustrie, wir sind breit aufgestellt und bedienen eigentlich alle. Unsere verschiedenen Fabriken, und da gehört auch die Asia Production dazu, haben dementsprechend unterschiedliche prozentuale Gewichtungen in den Branchen. Durch unsere Aufstellung und unsere breite Kundenbasis haben wir insgesamt schon heute Vorteile.

J. Klohe: Es wird keine Revolution geben. Es wird sich nichts dramatisch ändern, meiner Meinung nach. Wir haben die Werke spezialisiert und sind auf die für uns wichtigen Märkte eingegangen. Was in der Zukunft im Gesamtumfeld sicher wichtig wird, und das betrifft nicht nur unsere Zielmärkte, ist Industrie 4.0, Vernetzung, Internet of Things. Was sich stark entwickeln wird, ist der Bereich E-Mobility.

Rollen wir es mal von der Kundenseite auf: Wie verändern sich derzeit die Kundenwünsche und wie könnten sich diese mittel-/langfristig entwickeln?

J. Murawski: Wir sehen, dass, je nach Marktsegment, ganz unterschiedliche Anforderungen im Bereich Service entstehen. Das kann gehen von der Unterstützung bei der Entwicklung im CAD-Bereich über eine gemeinsame Kunden-/Lieferanten-Entwicklung einer multifunktionalen Leiterplatte, bis hin zu dem Punkt, an dem wir mit dem Kunden Kostenersparnis-Potenziale erarbeiten. Generell stellen wir fest, dass die Bereich Service, Informationsweitergabe – zum Beispiel durch Webinare – und Schulungen vom Kunden als Mehrwert gesehen werden.

J. Klohe: Egal wo, egal wie: Wenn man es in Richtung Produktivität durch günstigere Produktionskosten sieht, ist das wichtigste Gut, das ein Unternehmen hat, Zeit. Das ist in Unternehmen nicht anders als bei jedem Menschen. Dadurch muss man effektiver werden. Wir müssen die Potenziale nutzen, die uns die moderne Infrastruktur und Informationstechnik bieten, um sich besser mit dem Kunden zu ver­netzen.

Mit neuen Kundenanforderungen wird sich auch das benötigte Knowhow verändern. Wie stellen Sie sich mit Ihrem Unternehmen hier personell für die Zukunft auf?

J. Murawski: Wir arbeiten nach wie vor daran, selbständige Mitarbeiter zu entwickeln, die Spezialisten in ihrem Fachgebiet sind. Gleichzeitig möchten wir die Hierarchien verflachen, um dem Kunden die bestmögliche Unterstützung bieten zu können. Wenn wir den Bereich Produktion betrachten, haben wir natürlich das Thema Roboterisierung. Es wird immer schwieriger werden, einfachere Arbeitskräfte zu beschäftigen.

J. Klohe: Andererseits wächst natürlich die Komplexität, um die Kundenbedürfnisse zu erfüllen. Das heißt, wir sind angewiesen auf agile Entwicklungs- und Servicegemeinschaften, auf Abteilungen, die sich vernetzen mit unserem Digital Office.

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