Die Leiterplatte – so modern wie nie

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Ein Blick in die Multilayer-Produktion im Werk Niedernhall: Die Fertigung nach Standardparametern sorgt für verkürzten Design- und Arbeitsvorbereitungsaufwand.
Ein Blick in die Multilayer-Produktion im Werk Niedernhall: Die Fertigung nach Standardparametern sorgt für verkürzten Design- und Arbeitsvorbereitungsaufwand. (Bild: Würth Elektronik)

Unter dem Dach des Würth-Konzerns schreibt die Würth Elektronik Circuit Board Technology (CBT) seit mehr als 40 Jahren Elektronik­geschichte – und zeigt sich weiterhin innovationsfreudig.

Frühzeitig erkennt Reinhold Würth im Elektronikbereich einen riesigen Wachstumsmarkt. Deshalb gründet er 1971 innerhalb der Adolf Würth GmbH & Co. KG die Abteilung Würth Elektronik. Zwei Ingenieure sollten zunächst elektronische Messgeräte entwickeln. Doch schon bald lautet das Unternehmensziel, Leiterplatten für die Elektronikindustrie zu produzieren. Für diese Abteilung werden Räume in der Bahnhofstraße in Künzelsau zur Verfügung gestellt. 1976 wird Würth Elektronik schließlich eine eigenständige Firma. Dass die Entwicklungen des Unternehmens zahlreiche Meilensteine der Elektronik markieren werden, war damals noch nicht abzusehen.

Innovator auch im eigenen Konzern

In einem Interview aus dem Jahre 2004 erinnert sich Rolf Bauer, der in der Anfangsphase zeitweise die Position des Geschäftsführers innehat, an den nicht immer einfachen Start des jüngsten Unternehmens-Sprosses. Damals gab es auch von Seiten des Unternehmensbeirats Einwände gegen das „branchenfremde“ Geschäft. Das bei Würth Elektronik hergestellte Produkt scheint nicht zum Kerngeschäft des Handelsunternehmens Würth zu passen. Bei einem produzierenden Unternehmen war zudem der entsprechende Umsatz, den man von einem Handelsunternehmen gewohnt war, zunächst auch nicht zu erwarten.

Doch trotz aller internen Skepsis: Würth Elektronik, so Rolf Bauer weiter, sei typisch für eine unternehmerische Entscheidung Reinhold Würths gewesen. Eine visionäre Idee wird in die Tat umgesetzt, und trotz anfänglicher Schwierigkeiten – um 1980 herum schreibt das Unternehmen zunächst Verluste – wird ein als richtig erkannter Weg weiter beschritten [1].

Ausgezeichnet: 2017 wurde Würth von Statista und brandeins zum Innovator des Jahres ernannt.
Ausgezeichnet: 2017 wurde Würth von Statista und brandeins zum Innovator des Jahres ernannt. (Bild: Wüth)

Positiv gewendet ist Würth Elektronik von Beginn an Innovator im eigenen Konzern. Diese Firmen-DNA treibt das Unternehmen bis heute an. Würth Elektronik versteht sich nicht nur im firmeninternen Maßstab als Innovator, sondern längst weltweit. Das sehen auch der Markt und seine Experten so: 2017 erhielt Würth Elektronik das Siegel „Innovator des Jahres“ von Statista/Brandeins verliehen. Zugrunde liegen dieser Auszeichnung beispielsweise die Befragung von mehr als 2000 führenden Vertretern von innovationsprämierten Unternehmen und eine Auswertung des Statista Expertenpanels mit rund 20.000 Führungskräften und Angestellten, sowie das Urteil von 250 Branchenexperten.

„Uns treibt die Freude an Innovationen an. Wir bei Würth Elektronik verstehen uns als Spezialist für zukunftsweisende Leiterplatten-Technologien, vom Muster bis zur Serie. Es ist die klare Vision von Würth Elektronik, erster Ansprechpartner für alle zu sein, die an innovativen Entwicklungen in der Elektronik arbeiten“, beschreibt Jörg Murawski, Geschäftsbereichsleiter und Executive Vice President der Würth-Gruppe, das heutige Selbstverständnis.

Fassbar wird dieser Anspruch beispielsweise im Bereich Forschung und Entwicklung des Unternehmens. Würth Elektronik übernimmt als Mitglied des Innovationsclusters „Intakt“ (Interaktive Mikroimplantate) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Verantwortung für die Entwicklung der Implantat-Elektronik. Das Innovationscluster wurde 2017 aus rund 1000 eingereichten Bewerbungen von einer hochkarätig besetzten Jury zu den 100 innovativen Preisträgern des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen 2017“ gekürt. Unter der Koordination des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT ist das Ziel von Intakt die Entwicklung einer neuen Generation von aktiven vernetzten Implantaten. Auf Grundlage von in Echtzeit erfassten medizinischen Messwerten und der Steuerung durch den Patienten sollen Nerven- und Muskelstrukturen stimuliert werden.

„Der Entwicklungsschwerpunkt dieser innovativen lernfähigen Systeme liegt auf der Gestaltung völlig neuer Mensch-Technik-Interaktionen zwischen den Betroffenen und ihren Implantaten sowie dem behandelnden Arzt“, betont Dr. Jan Kostelnik, Leiter Forschung und Entwicklung bei Würth Elektronik CBT. „Würth Elektronik erforscht neue, biokompatible Materialien und deren Eigenschaften hinsichtlich Kompatibilität und Prozessierbarkeit in einer Leiterplattenproduktion. Ebenso werden Ansätze verfolgt und getestet, um die Energieübertragung mittels geätzten planaren Spulen oder eingebetteten Induktivitäten zu realisieren“, erklärt Dr. Jan Kostelnik.

Entwicklungskooperationen im Mittelstand

Seit Anfang 2017 vereint Würth Elektronik und FELA, auch ein Leiterplattenhersteller aus Baden-Württemberg, eine Entwicklungskooperation zur Digitalisierung der Leiterplattentechnik. „Der visionäre Ansatz im Bereich der funktionellen Oberfläche via 3D-Druck verspricht völlig neue Möglichkeiten hinsichtlich Miniaturisierung und einen technologischen Quantensprung im Bereich der Leiterplattenfertigung. Wir erwarten nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch die langfristige Sicherung der lokalen Produktionsstandorte in Deutschland“, betont Jörg Murawski, einer der beiden Geschäftsbereichsleiter.

Aus Kundensicht entscheidend ist nach Einschätzung von Jürgen Klohe, dem zweiten Geschäftsbereichsleiter, neben dem Aspekt Innovation auch die Kundennähe: „Wir haben die größte Mannschaft in Richtung Kunden. Heißt im Klartext: Ein Drittel der Belegschaft, also rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, arbeitet im Bereich Außendienst, Verkauf, Innendienst und Arbeitsvorbereitung. Wir sind außerdem diejenigen, die die meisten Neuaufträge bewältigen.“

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