Dezentrale Power-Architektur beschleunigt den Design-Prozess

| Redakteur: Thomas Kuther

Karsten Bier, CEO der RECOM-Gruppe: „Wer langfristig eine Rolle spielen will, muss sich dem Wettbewerb in China stellen! Die stehen da einfach früher auf. Nicht nur wegen der Zeitverschiebung. Ab Jahresmitte produzieren wir in unserem neuen Werk in Xiamen AC/DC-Module in hoher Stückzahl – zu ausgesprochen günstigen Preisen!“
Karsten Bier, CEO der RECOM-Gruppe: „Wer langfristig eine Rolle spielen will, muss sich dem Wettbewerb in China stellen! Die stehen da einfach früher auf. Nicht nur wegen der Zeitverschiebung. Ab Jahresmitte produzieren wir in unserem neuen Werk in Xiamen AC/DC-Module in hoher Stückzahl – zu ausgesprochen günstigen Preisen!“ (Bild: RECOM)

Wir sprachen mit Karsten Bier, dem CEO der RECOM-Gruppe, über die Geheimnisse des Erfolgs seines auf Stromversorgungen spezialisierten Unternehmens und über die Herausforderungen der Zukunft.

Immer häufiger greifen Elektronik-Entwickler zu fertig verfügbaren Powermodulen. Sie gewinnen dabei nicht nur wertvolle Zeit, sondern reduzieren auch das Risiko bei der EMV-Kompatibilität des Endproduktes.

ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Bier, ihr Unternehmen ist auf Stromversorgungen spezialisiert und in der laufenden Dekade weit überdurchschnittlich gewachsen. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Karsten Bier: Ich denke, mit innovativen Lösungen zur rechten Zeit am Markt zu sein, war einer der Gründe. Als privat finanzierter Mittelständler können wir schneller reagieren als größere Wettbewerber. Ich habe einen ziemlich direkten Draht nicht nur zu Mitarbeitern - auch zu Kunden und Distributoren. Wenn wir eine Chance wittern, können wir sehr schnell reagieren.

Welche Produkte werden zukünftig besonders gefragt sein?

Ich würde das gar nicht so sehr auf Produkte beschränken. Das gesamte Paket muss stimmen. Elektronikentwickler konzentrieren sich zunehmend auf ihre Kernkompetenzen und legen das Thema Stromversorgung in die Hände von Power-Spezialisten wie RECOM. Dabei ist neben einem guten Produkt auch ein qualifizierter Support gefragt. Wir wollen immer auch die Kundenapplikation verstehen, um zu lernen, wie der Markt sich entwickelt und welche Möglichkeiten sich ergeben. IoT ist da so ein Thema. Hier hat RECOM in Zusammenarbeit mit namhaften Partnern Referenzdesigns entwickelt, die es Entwicklern erlauben, ihre Applikation schneller und besser umzusetzen.

Wie bedeutend ist das Internet der Dinge für Ihr Unternehmen und wie unterstützen Sie technologisch diese Entwicklung?

IoT ist für uns einer der Wachstumstreiber. Es werden in einer Vielzahl von Anwendungen Unmengen von Daten erfasst und übertragen. Die dafür erforderlichen Sensoren und Modems müssen mit Energie versorgt werden. Egal wo diese herkommt – ob „Energy Harvesting“, Batteriezelle oder Netzanschluss – am Ende wird immer eine stabile Spannung gebraucht. Schaltregler wie unser R-78S (Bild 1) z.B. liefern auch dann noch die erforderliche Ausgangsspannung, wenn die Batterie fast komplett entladen ist.

Mit neuen Kundenanforderungen wird sich auch das benötigte Knowhow verändern. Wie stellen Sie sich mit Ihrem Unternehmen hier personell für die Zukunft auf?

Das ist nur sehr bedingt richtig. Die ganze Welt redet von “Digitalisierung“. Stromversorgungen sind technisch gesehen aber ein ziemlich „analoges“ Thema. Da bekommen die meisten Absolventen heute kein ausreichendes Fachwissen mehr vermittelt. Für junge Leute haben Internet und Software mehr Sex-Appeal als EMV-Probleme rund um Drosseln und Trafos. Wir arbeiten mit einigen Hochschulen und Universitäten zusammen, um frühzeitig Interesse für Stromversorgung zu wecken. Natürlich müssen wir bei Jungingenieuren dann intern massiv nachschulen.

Gute Fachkräfte sind heiß umworben – wie begeistern Sie neue Mitarbeiter für Ihr Unternehmen und wie halten Sie die guten Mitarbeiter?

Wir leben eine offene Unternehmenskultur mit flacher Hierarchie und freiem Informationsfluss. Mitarbeiter, die sich weitgehend selbst verwirklichen können und in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, bleiben dem Unternehmen in der Regel treu. Wir arbeiten hart und feiern auch unsere Erfolge ganz gern. Außerdem zahlen wir gut und beteiligen Mitarbeiter am Unternehmenserfolg. Nicht nur hier in unserer Zentrale – auch in unseren Werken in Asien und allen anderen Standorten rund um den Globus

Stichwort Asien: Wie schützen Sie ihr Knowhow vor Produktpiraterie und wird dieses Problem in Zukunft nicht noch größer?

Wir behalten Schlüsselinformationen so weit wie möglich in den Labors in Gmunden. Auch verwenden wir spezielle Komponenten und ICs, damit von außen nicht ohne weiteres erkennbar ist, was drinnen streckt. Einen 100%igen Schutz aber gibt es nicht. Insbesondere nicht bei Modulen, die sich optisch fast gleichen wie ein Ei dem anderen. Letztendlich können wir nur an die Kunden appellieren, dubiose Verkaufskanäle zu meiden. Insbesondere dann, wenn Preise und Lieferzeiten besonders attraktiv erscheinen. RECOM kann natürlich nur für Produkte garantieren, die aus der eigenen Schmiede kommen. Der Schaden, der entstehen kann, wenn die Steuerung einer Werkzeugmaschine wegen eines gefälschten DC/DC-Wandlers ausfällt, ist immens (Bild 2).

Welche Herausforderungen brächte eine verordnete Gerätelebensdauer mit sich und wie stellen sie sicher, dass die dann auch erreicht wird?

Im Prinzip keine! Vor 10 Jahren schon haben wir „Null Prozent Fehlerrate“ als Ziel formuliert. Wir haben jedes defekte Modul in seine Einzelteile zerlegt um zu verstehen, was schief gegangen ist. Heute gewähren wir Garantiezeiten zwischen drei und sieben Jahren. Für viele Produkte spezifizieren wir außerdem eine „Design Lifetime“ – also eine durch umfangreiche HALT-Tests (Highly Accelerated Long Time) verifizierte, echte Lebenserwartung. Bei unserem DIN-Rail-Netzteil REDIN45 beispielsweise sind das glatte zehn Jahre im Dauerbetrieb!

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