40 Jahre Commodore PET: Der Computer für die Massen

| Autor: Sebastian Gerstl

Bürohengst mit Startschwierigkeiten

Da Commodore vorwiegend auf den Schul- und Büromarkt zielt, wird auf gesonderte Grafikelemente verzichtet. Der Rechner verfügte nur über eine monochrome Textdarstellung mit wahlweise 40×25 oder 80×25 Pixeln Auflösung. Grafikelemente – oder vielmehSymbole – waren nur über eine interne Variante der Ascii-Sonderzeichen, generell als PETSCII, möglich. Sound konnte über eine parallele Schnittstelle, dem "User Port", wiedergegeben werden.

Die ELEKTRONIKPRAXIS befasste sich in Ausgabe 04 1978 mit dem damals frisch in Deutschland erschienenen Commodore PET 2001.
Die ELEKTRONIKPRAXIS befasste sich in Ausgabe 04 1978 mit dem damals frisch in Deutschland erschienenen Commodore PET 2001. (Bild: VBM-Archiv)

Die erste Version des PET 2001 verfügte auch noch nicht über eine Tastatur mit richtigen Anschlagtasten, sondern über eine eigentlich für Rechenautomaten gedachte Folientastatur, bei denen die Tasten direkt vertikal untereinander angeordnet sind. Auch war die Bedienfläche sehr klein; ein modernes 6-Zoll-Smartphone kann quasi die komplette Fläche abdecken. Aufgrund des billigen Gefühls, das langes Arbeiten erschwert, und den bunten Tasten wurde sie oft abfällig als "Micky-Maus-Tastatur" bezeichnet. Erst in späteren Versionen wurde diese durch ein richtiges Keyboard ersetzt.

Zur Bedienung wird für den PET ein BASIC von Microsoft lizensiert. Jack Tramiel gelingt es, eine zeitlich unbefristete Lizenz auszuhandeln. Statt diese im Laufe der Zeit für sich ändernde technische Bedingungen neu anzufertigen und zu lizensieren, wird Tramiel auch in den kommenden Jahren dieselbe alte Grundlizenz verwenden: Selbst im späteren Verkaufsschlager Commodore 64 kommt die zu diesem Zeitpunkt schon längst veraltete Version der Programmiersprache in nur leicht abgewandelter Form zum Einsatz.

Das ursprüngliche BASIC verfügte zudem noch über einige, teils schwerwiegende Bugs. So konnten beispielsweise nur maximal 256 Elemente in Arrays angelegt werden. Auch macht das knapp bemessene RAM Schwierigkeiten: Da das Betriebssystem etwa 1 KByte des verfügbaren RAMs beansprucht, stehen für Anwendungen nur 3 KByte zur Verfügung – was gerade mal drei Seiten an Text mit 40 Zeichen je 25 Zeilen, der typischen Auflösung des Commodore PET, umfasst. Wegen dieser und weiteren Probleme in Entwicklung und Produktion kann der Commodore PET 2001 daher erst im Oktober 1977 serienmäßig hergestellt und ausgeliefert werden. Nur einige Vorbesteller erhalten ihre Systeme schon früher.

Dennoch geht die Strategie, den Computer gezielt als billige Alternative für Schulen, Forschungseinrichtungen und Büros zu platzieren, auf. In Deutschland ist der PET 2001 vor allem deshalb erfolgreich, weil es der erste Computer ist, der in Kaufhauskatalogen wie z.B. bei Quelle zu finden ist. Auch in anderen europäischen Ländern findet der PET regen Zuspruch und wird dort zum ersten Komplettsystem, dass preislich für den Schul- oder mittelständischen Bürobedarf erschwinglich ist. In den USA ist der PET dagegen verglichen mit seinen Zeitgenossen Apple II oder TRS-80 eher selten anzutreffen.

Der Name PET, englisch "Haustier", sorgt im europäischen Raum allerdings für Probleme. Zum einen besitzt Phillips bereits die Rechte an dem Namen für ihr Programm-Entwicklungs-Terminal. Zum anderen kommt die Bezeichnung in Frankreich nicht gut an: pet bedeutet im Französischen "Furz". Nachfolgende Modelle – mit verbessertem BASIC und neuer Tastatur – werden außerhalb der USA daher statt dessen CBM 2001 (für Commodore Business Machines) genannt. Aus dem CBM 2001 verschwindet das integrierte Kassettenlaufwerk, dafür sinkt der Preis in Deutschland auf 2000 DM, was den Kauf deutlich attraktiver macht. Das schwere Metallgehäuse weicht in späteren Versionen einem leichtgewichtigerem aus gespritztem Kunststoff. Später erscheinende Modelle bekamen auch einen internen Soundchip spendiert.

Das Diskettenlaufwerk als eigenständiges System

Wie die Konkurrenz bietet auch Commodore ab 1978/79 auch Floppy-Laufwerke für den Heimcomputer an, sowohl in einer 8-Zoll-, als auch einer 5-¼-Zoll-Ausführung. Der ursprüngliche PET war nur für Kassettenlaufwerke konzipiert, so dass Laufwerke nur über einen seriellen Anschluss mit dem Computer verbunden werden konnten. Für den Betrieb benötigte das externe Diskettenlaufwerk daher einen eigenen Mikroprozessor und ein eigenes Betriebssystem. Das machte das Gerät effektiv zu einem eigenen kleinen System: Für Arbeitsprozesse sendete der PET einen Befehl an das Floppylaufwerk, das Disk-OS erledigte daraufhin eigenständig den Rest.

Ein Diskettenlaufwerk für den Commodore PET. Die Laufwerke enthielten in der Regel je zwei Slots für Floppys. Diese Laufwerke besaßen einen eigenen Prozessor und ein eigenes Disk OS und mussten extern an den Rechner angeschlossen werden.
Ein Diskettenlaufwerk für den Commodore PET. Die Laufwerke enthielten in der Regel je zwei Slots für Floppys. Diese Laufwerke besaßen einen eigenen Prozessor und ein eigenes Disk OS und mussten extern an den Rechner angeschlossen werden. (Bild: CC0 / CC0)

Das brachte allerdings einen Vorteil, den andere Computer nicht besaßen: so konnten etwa Diskettendaten komplett von einer auf eine andere Diskette kopiert werden, ohne dass diese über den Rechner laufen mussten. Nach Übermittlung des Kopierbefehls konnte das Diskettenlaufwerk sogar vom PET getrennt werden, ohne dass der Vorgang dadurch unterbrochen wurde. Außerdem konnten mehrere PETs an ein einziges Diskettenlaufwerk angeschlossen werden und auf dieses zugreifen. Das war vor allem für Schulen und Universitäten interessant, hielt dies doch die notwendigen Anschaffungskosten gering.

Auch wenn sich der PET/CBM 2001 vorwiegend an die Ansprüche in Büros richtet, behält Commodore die Konkurrenz aufmerksam im Auge. Mit den Nachfolgemodellen ruft CEO Jack Tramiel die Maxime "Computer für die Massen, statt für die Klassen" aus. Der PET verzichtet auf Grafik, besitzt kaum Sound und ist verhältnismäßig teuer; die weiteren Modelle aus dem Hause Commodore sollten in erster Linie günstig sein und durch für ihre Zeit hervorragende Grafik- und Klangeigenschaften glänzen.

Heimcomputer wie der VIC-20, der C64 oder die Amiga-Reihe sorgen dafür, dass der Name Commodore vor allem in Deutschland und England in zahlreichen Haushalten fest vertreten ist. Allerdings versteift sich das Unternehmen zu lange auf seine proprietären Systeme und verschläft, wie der IBM-PC und seine zahlreichen kompatiblen Klone mehr und mehr nicht nur Büros, sondern auch den Heimanwendermarkt erobern. Zahlreiche Flops und Fehlentscheidungen leiten das Ende der Firma ein. Am 29. April 1994 wird Commodore International, einst Mitbegründer der Heimcomputerrevolution, offiziell aufgelöst.

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