Software-Geschichte

Windows-Historie, Teil 4 – Die sechste Generation

| Autor: Sebastian Gerstl

Packshot von Windows Vista Ultimate, der featurereichsten Fassung des Betriebssystems: Die Entwicklung des ersten Windows auf Basis des NT6-Kernels zog sich 5 Jahre hin. Bei Erscheinen musste das Betriebssystem viel Kritik einstecken.
Packshot von Windows Vista Ultimate, der featurereichsten Fassung des Betriebssystems: Die Entwicklung des ersten Windows auf Basis des NT6-Kernels zog sich 5 Jahre hin. Bei Erscheinen musste das Betriebssystem viel Kritik einstecken. (Bild: Microsoft)

Über die Jahre etabliert sich Windows XP als beliebtes Betriebssystem. Die Entwicklung des folgenden 6. Kernels verläuft dagegen äußerst wechselhaft. Was bedeutet das für Windows 10? Letzter Teil der Windows-Retrospektive.

Auch wenn Heimanwender und Firmen dem ursprünglichen Release von Windows XP etwas verhalten gegenüber standen, so konnte sich das Betriebssystem doch schnell fest im Markt etablieren und fand auch breite Anwendung als Embedded OS. Die Marktführerschaft sollte XP noch bis August 2012 behalten; der Nachfolger, Vista, erreichte zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise die Popularität seines Vorgängers. Was war geschehen?

Windows Vista: Holprige Evolution

Bereits im Mai 2001, noch vor dem offiziellen Release von Windows XP, begann bei Microsoft die Arbeit an einem Nachfolger. Das Betriebssystem einmal mehr runderneuert werden, ein neuer Kernel sollte die Basis bilden. Die unter dem Namen „Longhorn“ begonnene Windows-Version sollte ursprünglich noch im Jahr 2003 erscheinen, was dem üblichen Rahmen der Lebensspanne eines Windows-Betriebssystems entsprochen hätte. Letztendlich sollte sich die Entwicklung allerdings über fünf Jahre hinziehen. Bill Gates, zwischenzeitlich Leiter der Entwicklungsabteilung und Aufsichtsratsvorsitzender von Microsoft, merkte auf der CES 2007 an, für die Entwicklung habe man 6 Milliarden US-$ Dollar und – einmal mehr – die Arbeitsleistung von 2.000 Programmieren aufgewandt.

Die Volumenlizenz für Windows Vista war ab November 2006 erhältlich, ab Januar 2007 stand das Betriebssystem auch im Einzelhandel. Am Erscheinungstermin war das neue System, das letztlich den Namen „Vista“ erhielt, in 5 verschiedenen Verkaufsfassungen erhältlich: Für Heimanwender existierten eine „Home Basic“ und eine „Home Premium“-Fassung, Firmenkunden hatten die Wahl zwischen „Vista Business“ und „Vista Enterprise“, und „Vista Ultimate“ bot für alle Kunden das teuerste, aber auch umfangreichste OS-Paket. All diese Varianten erschienen, anders als noch bei Windows XP, von Beginn an in 32Bit- und 64Bit-Ausgaben. Zudem gab es noch eine stark abgespeckte Version namens „Vista Starter“, die ausschließlich als OEM-Ausgabe für Netbooks vertrieben wurde.

Für das Betriebssystem mit dem neuem Systemkern hatte sich Microsoft zahlreiche ambitionierte Ziele gesteckt. Die grafische Nutzeroberfläche „Luna“ wurde nun durch „Aero“ abgelöst und durch zahlreiche Gimmicks wie transparente Fensterrahmen, Fenstervorschau bei Programmen in der Taskleiste oder einen optionalen 3D-Desktop ergänzt. Auch das Startmenü wurde überarbeitet und erhielt erstmals eine integrierte Suchfunktion. Zudem ersetzte nun ein einfaches Windows-Logo die zuvor mit dem Schriftzug „Start“ versehene Schaltfläche. Ähnlich wie bereits aus Mac OS X bekannt, konnten Anwender nun auch kleine Schnellzugriff-Tools wie Notizzettel oder Kalender auf dem Desktop platzieren. Der integrierte Windows Media Player enthält nun auch einen DVD-Codec und erlaubt somit das direkte Abspielen von Film-DVDs ohne zusätzliche Software.

Wesentlich wichtiger, wenn auch nicht unmittelbar sichtbar, waren die neu hinzugekommenen Sicherheitsfeatures. Um die Angreifbarkeit des Systems zu verringern führte Microsoft eine erweiterte Benutzerkontensteuerung ein, die sich deutlich feiner justieren ließ als bisher. Standardmäßig war ein arbeiten mit nur eingeschränkten Nutzerrechten vorgesehen, jedoch konnte man nun – etwa für die Installation von Software – vorübergehend Administratorrechte annehmen um eine bestimmte Sache zu erledigen, und anschließend wieder mit eingeschränkten Rechten weiterarbeiten.

Dies adressierte ein Problem bei vielen XP-Rechnern, an denen Anwender gewohnheitsmäßig mit uneingeschränkten Administratorrechten arbeiteten, was das System attraktiv für Hacker und Angriffe über das Internet macht. Um das Vista-Betriebssystem zusätzlich gegen Bedrohungen aus dem Internet abzuschirmen, führte Microsoft in dieser Version den Windows Defender ein, ein Echtzeit-Überwachungssystem zur Abwehr von Spyware-Tools und Trojanern. Mit der digitalen Treibersignatur sollte sichergestellt werden, dass nur von Microsoft abgesegnete Hardware und Treiber am System verwendet werden, um optimale Performance und minimales Risiko durch Hackerangriffe über diese Kanäle sicherzustellen.

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