Software-Geschichte

Windows-Historie, Teil 3 – Trennung und Konsolidierung der Systeme

| Autor: Sebastian Gerstl

Das ursprünglich gemeinsam mit IBM entwickelte OS/2 sollte zur Grundlage für das erste 32Bit-Betriebssystem von Microsoft werden.
Das ursprünglich gemeinsam mit IBM entwickelte OS/2 sollte zur Grundlage für das erste 32Bit-Betriebssystem von Microsoft werden. (Bild: VBM-Archiv)

Während Millionen Anwender die DOS-basierte Windows 9x-Reihe nutzen, baut Microsoft parallel das alte OS/2-Projekt zu einer parallelen Windows-Familie aus – auch abseits der Intel-Prozessoren. Erst Jahre später werden beide Linien in der bislang populärsten Version vereint. Teil 3 der Windows-Retrospektive.

Wie bereits im ersten Teil erwähnt, veröffentlichte Microsoft in den Jahren 1992 und 1993 nominell drei Varianten von Windows 3.1: Ein „reguläres“ Windows für Heimanwender, das an kleine bis mittelgroße Netzwerke gerichtete „Windows 3.1 for Workgroups“, und schließlich – am 27. Juli 1993, Windows NT 3.1, das an große Netzwerke gerichtet war. Trotz des ähnlichen Namens und der nahezu identischen grafischen Oberfläche zu den anderen erwähnten Windows-Versionen schlug im Inneren von NT ein komplett anderes Herz.

Ende der 80er Jahre arbeiteten Microsoft und IBM noch gemeinsam an einem möglichen Nachfolger zu MS-DOS (bzw. PC-DOS, wie es in einer von IBM vertriebenen und weiterentwickelten Fassung auch hieß). Es sollte ein modernes, zukunftsorientiertes Betriebssystem werden und mehrere Eigenschaften verknüpfen, die DOS fehlten. Dazu zählten Dinge wie echte bzw. verbesserte Multitasking-Eigenschaften, effizientere Speicherverwaltung und ein neues, optimiertes Dateisystem.

Die Entwicklung von OS/2 verlief allerdings sehr holprig, was nicht zuletzt an den unterschiedlichen Geschäftsphilosophien der beiden Partner lag: Microsoft wollte wie schon mit MS-DOS eine Softwareplattform, die für möglichst viele verschiedene PCs verfügbar war. IBM wollte hingegen ein Betriebssystem, das exklusiv für die eigenen Rechner optimiert war, um deren Verkauf anzukurbeln. Auch hatten beide Unternehmen zu jenem Zeitpunkt unterschiedliche Ansätze, was die Softwareentwicklung betraf. IBM nutzte noch Lines of Code, die Anzahl geschriebener Codezeilen, als Maßeinheit, um die Produktivität von Programmierern zu ermitteln. Microsoft-Entwickler nutzten dagegen kürzeren, direkteren Code. Während IBM daher Microsoft als unproduktiv wahrnahm, empfanden die Microsoft-Programmierer IBM als ineffizient.

Als die erste Version von OS/2 schließlich erschien, geriet der Release zum Flop. Das Betriebssystem war noch auf die breite Masse von 286-Rechnern ausgelegt, doch inzwischen war bereits der 386-Prozessor auf dem Markt, dessen Vorteile nicht genutzt werden konnten. Eine Version mit grafischer Nutzeroberfläche (dem bereits aus Windows 2 bekannten „Presentation Manager“) erschien erst ein Jahr später und wurde zudem nur durch IBM-Verkaufskanäle vertrieben. Der hohe Preis des Betriebssystems – OS2 1.0 kostete 325 US-Dollar, während gleichzeitig MS-DOS für weniger als 100 US-Dollar zu haben war – schreckte ebenfalls viele potentielle Käufer ab.

Während die Entwicklung und die allgemeine Akzeptanz von OS/2 stagnierten, wuchs gleichzeitig die Popularität von Microsoft Windows enorm. Insbesondere das äußerst erfolgreiche Release von Windows 3.0. OS/2 Version 1 setzte innerhalb von 4 Jahren gerade einmal 300.000 Exemplare ab. Microsoft verkaufte dagegen innerhalb von nur 4 Monaten über eine Millionen Kopien von Windows 3.0.

1990 beschlossen daher die beiden Unternehmen, die Zusammenarbeit zu beenden. Ursprünglich war wohl vorgesehen, dass IBM sich komplett der Entwicklung von OS/2 v2 widmen sollte, während sich Microsoft der Pflege von OS/2 v3 widmete. Das Softwareunternehmen gab diese Pläne jedoch schon bald auf, und nutzte die bereits vorhandenen Ressourcen lieber als Grundstein für sein erstes „richtiges“ Windows-Betriebssystem.

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