125 Jahre Vogel Business Media und 50 Jahre ELEKTRONIKPRAXIS

Wie Carl Gustav Vogel das analoge Google erfand

| Autor / Redakteur: Dr. Gunther Schunk * / Johann Wiesböck

Carl Gustav Vogel: gründete 1891 den Vogel Verlag
Carl Gustav Vogel: gründete 1891 den Vogel Verlag (Bild: VBM-Archiv)

125 Jahre Vogel Business Media und 50 Jahre ELEKTRONIKPRAXIS: Wie aus einem Briefmarkenhobby Deutschlands großes Fachmedienhaus wurde, was die Vogel-DNA ist und wie der Vogel Campus entstand.

Die schönsten Geschichten beginnen mit „ Es war einmal …“ und genauso beginnt die Geschichte von Vogel Business Media. Denn es war einmal ein Textilunternehmer namens Carl Gustav Vogel, der hatte einige Webstühle am Laufen und sich auf diese Weise ein kleines Unternehmen aufgebaut. Außerdem war er begeisterter Briefmarkensammler. Das hatte Folgen. Was er damals aber noch nicht wusste, denn was geschah damals?

Er startete eine Informationszeitschrift namens „Internationales Briefmarkenoffertenblatt“, um Briefmarkensammlern die Möglichkeiten zum Kauf und Verkauf zu schaffen. Das war im Jahre 1891 im thüringischen Pössneck, als er sein kleines Startup namens „Vogel Verlag“ gründete. Doch das war ja im Grunde nur sein Hobby. Aber was sein eigentliches Business anging, sah Carl Gustav Vogel vor allem, dass die aufkommende Industrialisierung Auswirkungen auf die Textilbranche und ihre Produktionsbedingungen hatte. Die Weberaufstände ließen nichts Gutes für die Zukunft hoffen. Daher dachte sich Carl Gustav Vogel: Was mit dem Briefmarkenoffertenblatt ganz gut begonnen hatte und funktionierte, könnte er doch als Verlagsbusiness ausbauen.

Die Geburtsstunde der ersten Fachzeitschrift

Carl Gustav Vogel sah klaren Blickes den explodierenden Informationsbedarf der Wirtschaft aufgrund der Industrialisierung voraus und sagte: „Wir wollen der Wirtschaft eine Plattform zum Austausch von Informationen anbieten!“ Und genau das tat er. Carl Gustav startete 1894 seine Fachzeitschrift „Maschinenmarkt“ und erfand den so genannten Wechselversand. Heute würde man sagen: das analoge Google. Warum? Weil er passend zu den Schwerpunkt- und Themenheften des Maschinenmarktes Printanzeigen von Werbetreibenden einsammelte und diese in den thematisch passenden Zeitschriftenausgaben platzierte, die dann wiederum fast ausschließlich den passenden Empfängern zugestellt wurden. Also eben diejenigen, die in der jeweiligen Branche und zu diesem Thema aktiv waren. Die Erfindung des freien Wechselversands durch Vogel ist per Definition eine werbefinanzierte zielgruppenspezifische Freiverteilung an Branchenentscheider und ist bis heute als Controlled Circulation besonders im angelsächsischen Raum verbreitet.

Doch zurück zu unserem Gründer. Das Herz seines Businessplans war eine Sammlung von wohlsortierten Karteikästen mit Adresskärtchen. Big Data für eine Content-Kontakt-Strategie quasi. Sie waren sortiert nach Themen und Branchen und ausschließlich Adressen von großen und kleinen Unternehmen in der Industrie.

Die Wiedergeburt während der Nachkriegszeit

Wie die Geschichte weiterging, ist schnell erzählt: Schon bald stiegen die Vogel-Söhne in das Unternehmen ein und sahen ein neues Thema mit hohem Informationsbedarf kommen: das Automobil. Also gründeten Arthur und Ludwig Vogel bereits 1911 den zweiten Verlagsbereich: Fachzeitschriften rund um das Auto. Die Internationalisierung des Geschäfts mit globaler Ausweitung der Fachzeitschrift „Exportmarkt“ in über 120 Ländern erfolgte in den 1920er Jahren bis zum zweiten Weltkrieg.

Danach kam die völlige Enteignung in Pössneck, in der sowje-tischen Besatzungszone. Die Unternehmerfamilie Vogel hatte außer einigen Adress-karteien so gut wie nichts retten können. 1947 begann der Neustart im fränkischen Coburg. Binnen drei Jahren gelang es, wieder das komplette Vorkriegsniveau aufzubauen, doch schon 1952 zog das gesamte Unternehmen in das verkehrsgünstiger gelegene Würzburg, bis heute Hauptsitz von Vogel Business Media.

Der nächste Neustart. Schon bald kamen neue Themen und Zeitschriftentitel. Aus dem Elektromarkt von 1919, der ersten elektrotechnischen Fachzeitschrift im Vogel Verlag, wurde 1939 die Elektrotechnik. Und schließlich ergänzte 1967 die ELEKTRONIKPRAXIS den Reigen. Doch Anfang der 1970er kommt „das nächste großes Ding“: der Personal Computer. Ein Team unter Führung von Dr. Eckernkamp, Schwiegersohn von Ludwig Vogel, gründet das Computermagazin CHIP, und bereitet den Boden für den Bereich der Vogel-IT-Medien.

Die Transformation zum multimedialen Fachverlag

Und was lernen wir daraus? Vogel startete in der ersten Gründerzeit, inmitten der Industrialisierung. Danach musste das Unternehmen, genauso wie viele andere Firmen auch, sich immer wieder neu erfinden und neue Märkte erobern. Über 100 Fachmedien informieren heute die Profis in den großen Wirtschaftszweigen Industrie, Automotive, IT und Recht/Wirtschaft/Steuern.

Aktuell erfährt das Verlagshaus eine neue, tiefgreifende Transformation und findet sich inmitten der Digitalisierung, einer neuen Gründerzeit und mit einer eigenen Vogel-Gründerwerkstatt auf dem Vogel Campus in Würzburg. Deshalb ist der jubiläumsbedingte Blick zurück immer auch ein Blick nach vorn. Seit Anbeginn hat sich Vogel als Unternehmen diese Gründer-DNA bewahrt. Mit diesem Spirit begleitet das Unternehmen bis heute die Partner in den Märkten.

In diesem Medien-Ökosystem wurde vor 50 Jahren die ELEKTRONIKPRAXIS geboren. Als neue Plattform für ein neues Thema. Ganz so wie das typisch ist in der Vogel-Geschichte. Und wie enden die schönsten Geschichten? „Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage …“

* Dr. Gunther Schunk ist Leiter der Abteilung Corporate Communications bei Vogel Business Media in Würzburg

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44181643 / 50 Jahre Elektronikpraxis)