Technologie-Ausblick von Rohde & Schwarz

„Software übernimmt immer mehr Messtechnik-Funktionen“

| Redakteur: Hendrik Härter

Messtechnik als wichtigstes Standbein: Roland Steffen ist Leiter des Geschäftsbereiches Messtechnik und Mitglied der Geschäftsleitung bei Rohde & Schwarz.
Messtechnik als wichtigstes Standbein: Roland Steffen ist Leiter des Geschäftsbereiches Messtechnik und Mitglied der Geschäftsleitung bei Rohde & Schwarz. (Bild: Rohde & Schwarz)

Messtechnik und Rohde & Schwarz gehören seit jeher zusammen. Die Entwicklungen in der drahtlosen Kommunikationstechnik eröffnen dem Technologieunternehmen auch zukünftig neue Wachstumsfelder.

Als Lothar Rohde und Hermann Schwarz in den 1930er Jahren den Grundstein für ihr Unternehmen legten, konnten sie noch nicht ahnen, welche Entwicklungen in den nächsten Jahrzehnten auf sie und ihre Mitarbeiter zukommen werden. Heute ist der Markt für Messtechnik gekennzeichnet durch immer kompaktere Geräte mit immer mehr Funktionalität, die zudem noch preiswerter werden. Wir sprachen mit Roland Steffen, Leiter des Geschäftsbereiches Messtechnik und Mitglied der Geschäftsleitung bei Rohde & Schwarz, über den Markt, das Unternehmen sowie über Trends und Technologien.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen mittel- /langfristig in der Messtechnik-Branche positioniert?

Mit Messtechnik hat die Unternehmensgeschichte von Rohde & Schwarz ihren Anfang genommen. Mittlerweile steht der Konzern auf verschiedenen Standbeinen, die Messtechnik hat ihre wichtige Rolle jedoch nie verloren. Im Gegenteil: Rohde & Schwarz gehört hier zu den weltweit führenden Herstellern, in der Mobilfunk- und EMV-Messtechnik sind wir sogar Marktführer. Unsere Produkte setzen Maßstäbe in Forschung, Entwicklung, Produktion und Service. Diese Position wollen wir natürlich auch zukünftig halten und sogar ausbauen. Gleichzeitig ist es unser Ziel, uns als Vollsortimenter zu etablieren. Dafür sind wir 2010 in den Oszilloskop-Markt eingestiegen, bauen unser Portfolio kontinuierlich aus und gewinnen Schritt für Schritt Marktanteile hinzu. Außerdem positionieren wir uns verstärkt mit Produkten im unteren Preissegment.

Welche neuen Märkte und Anwendungsfelder wird Ihr Unternehmen künftig mit Produkten und Services adressieren?

Die Entwicklung in der drahtlosen Kommunikationstechnik – LTE Advanced, 5G, Internet der Dinge, Car-2-X-Kommunikation, um einige Schlagworte zu nennen – eröffnet uns Wachstumsfelder, in die wir unser umfassendes Know-how einbringen können. Des Weiteren erwarten wir eine positive Entwicklung im Radartest, getrieben durch den Aerospace- und Defence- sowie den Automotive-Markt. Insbesondere die Bestrebungen nach autonomen Fahren werden neue Ansprüche an die KFZ-Sensorik und -Kommunikationstechnik stellen, die es zu testen gilt. Außerdem haben wir mit unseren preisgünstigeren Messgeräten noch viel Potenzial, Marktanteile zu gewinnen.

Ein komplett neues Marktsegment haben wir uns übrigens mit unserem Körperscanner R&S QPS erschlossen. Der Körperscanner basiert auf Millimeterwellentechnik und detektiert automatisch, ob Personen potenziell bedrohliche Objekte mitführen. Was das mit Messtechnik zu tun hat? Im Grunde ist der Körperscanner auch ein Messgerät. Die dahinter stehende Technologie ist ähnlich der eines Vektornetzwerkanalysators. Für Rohde & Schwarz ist das Projekt R&S QPS nicht nur der Eintritt in einen Markt mit enormem Wachstumspotenzial. Es zeigt auch die hohe Innovationskraft im Unternehmen und die Fähigkeit, über den Tellerrand hinaus zu sehen.

Wie verändern sich derzeit die Kundenwünsche und wie könnten sich diese mittel-/langfristig entwickeln?

Bei Rohde & Schwarz legen wir großen Wert auf den Austausch mit unseren Kunden. Wir hören genau hin und setzen die Erwartungen in den neuen Messtechnikgenerationen um. Eine dieser Erwartungen sind sinkende Preise. Dabei sind zwei Tendenzen zu unterscheiden: Einerseits bekommt der Kunde immer bessere, schnellere und genauere Messgeräte zu vergleichbaren Preisen wie das Vorgängermodell. Andererseits kann, wer ein ausgedientes Gerät durch eines mit gleicher Leistungsfähigkeit ersetzen will, mit deutlich niedrigeren Preisen rechnen.

Grund ist die Weiterentwicklung der Technologie: Kleinere Bauelemente sparen Leiterplattenfläche und Verbindungselemente wie Stecker und Kabel. Zugleich sorgt eine höhere Integration für mehr Platz und geringeren Stromverbrauch und ermöglicht damit kleinere Netzteile oder Gehäuse. Viele Funktionen moderner Messgeräte werden bereits in Software oder softwareprogrammierten FPGAs realisiert. Kunden erwarten daher auch immer mehr Funktionen in einem Gerät.

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